Tagsüber bekommt man auf die Frage seines Teenagers, wie es denn in der Schule gewesen sei, in der Regel ein Schulterzucken, manchmal ein „Gut“ und sehr oft ein „Keine Ahnung„. Gesprächig kann man die lieben Kleinen in keinem Fall nennen.
Das ändert sich aber schlagartig mit Sonnenuntergang. Da liegt man selbst gerade frisch eingemurmelt im Bettchen und dann steht da der Teen und fragt tatsächlich: „Können wir kurz reden?“ Und da sagt man selbstverständlich nicht nein.
Und dann öffnet sich das Kind, spricht über Freund*innen, Klassendiskussionen oder Zukunftsängste. Ganz von alleine. Und das ist schön und wundervoll, aber auch oft wirklich spät. Warum haben Teenager öfter abends oder nachts so großen Redebedarf?
Der Tageslärm fällt weg
Teenager wirken oft, als könne sie nichts aus der Ruhe bringen. Sie chillen, wann immer möglich, können selbst im größten Chaos (aka ihrem Zimmer) nichts tun und wirken selten sonderlich erpicht darauf, Dinge fertig zu kriegen oder sich einzubringen. Was nach außen also scheint wie ein entspanntes Leben hoch 2, fühlt sich für Teenager oft ganz anders an. Sie stehen permanent unter Strom, möchte gefallen, dazugehören, informiert bleiben und bloß nichts verpassen. Das raubt ihnen viel Energie am Tag.
Abends hingegen, wenn alles ruhiger wird, fährt auch der Teenager runter. Und dann tauchen Gefühle und Gedanken auf, für die es vorher keinen Platz gab, die unterdrückt und weggedrückt wurden. Also schlagen wir Eltern idealerweise die Bettdecken noch mal auf und hören selbstverständlich zu.
Teenager reden lieber, wenn keiner was von ihnen will
Gespräche tagsüber, die gerne von uns Eltern initiiert werden, können sich für einen Teenager schnell wie ein Verhör anfühlen. Kontrollieren lassen möchten sich Teens aber nicht und bewertet werden wollen sie auch nicht von ihren Eltern und deshalb blocken sie in solchen Situationen gerne ab.
Lies dazu auch: Warum Teenager so oft „Keine Ahnung“ haben
Abends dann, wenn der Tag für uns schon rum ist, erwarten wir nichts mehr von unseren Kindern und stellen keine Fragen nach Hausaufgaben oder Mithilfe im Haushalt, Schulnoten oder Testvorbereitungen. Gespräche sind damit weniger ‚offiziell‘, leichter und auch weniger kontrollierend. Genau das mögen Teenager.
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Müde ist man emotionaler
Es klingt erst mal seltsam, aber, wenn wir müde sind, funktionieren unsere Schutzmechanismen schlechter. Wir werden emotionaler und direkter. Teenagern gehts genauso. Und dann rutschen ihnen schon mal Sätze raus wie, „Ich hab Angst, das nicht hinzubekommen“ oder „Manchmal fühle ich mich komisch.“.
Und Gott sei Dank passiert das. Denn dann können wir ihnen zuhören und ihnen helfen, Gedanken wie diese zu sortieren. Lies dazu unbedingt: 9 Sätze, die das Selbstbewusstsein deines Teenagers sofort stärken.
Ihr Zimmer ist ein sicherer Ort
Teenager dürfen in ihrem eigenen Zimmer schalten und walten, wie es ihnen beliebt. Sie können im Chaos hausen, ungestört ihre Musik hören und am Handy datteln, ohne dass ihnen jemand (meistens wir Eltern) dazwischenquatscht. Es ist ihr Rückzugsort. Ihr sicherer Hafen, an dem niemand über sie urteilt oder sie bewertet.
Während der Teen also selbst im Bett liegt, sich die Decke bis an die Nasenspitze ziehen kann und Löcher in die Zimmerdecke starrt, kann er oder sie die tiefsten Gespräche führen.
„Können wir morgen reden?“
Weil’s oft so spät ist, wenn unsere Teenager Redebedarf haben, und wir selbst erschöpft sind, reagieren wir anders, als unsere Kinder es sich wünschen. Wir möchten die wichtigen, bedeutungsvollen Gespräche nämlich in wachem Zustand und gerne am nächsten Tag in Ruhe bequatschen.
Sehr zum Unmut unserer Kinder, denn sie fühlen genau in diesem Moment. Es hat sie vermutlich sowieso schon Überwindung gekostet, zu uns zu kommen und dann schicken wir sie auch noch weg.
Schiebt die Gespräche deshalb nicht auf morgen. Hört einfach nur zu. Teenager wollen oft nicht einmal Ratschläge oder Lösungen hören, sondern sie wollen sich etwas vom Herzen reden.
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