„Nein, ich hab keine Hausaufgaben“, „Ja, das hab ich schon gemacht“ oder „Die anderen dürfen das aber auch“- so oder so ähnlich antworten viele Teens, wenn die Eltern wieder irgendwas von ihnen (wissen) wollen. Und wir Eltern wissen, dass nur ungefähr die Hälfte der Antworten auch der Wahrheit entspricht.
Aber warum? Warum lügen uns unsere Teenager an und was sagt das über uns und unsere Erziehung?
Die gute Nachricht ist, wenn unsere Kinder uns anschwindeln, bedeutet das nicht automatisch, dass wir versagt haben. Oft bedeutet es sogar das Gegenteil. Es kann ein Zeichen für einen wichtigen Entwicklungsschritt sein und ein Kind fühlt sich so sicher bei seinen Eltern, dass es seine neuen Skills direkt ausprobiert.
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Klingt erst mal absurd, ist aber doch ziemlich logisch.
Lügen in der Pubertät haben eine Funktion
Kinder beginnen nicht erst mit dem Eintritt in die Pubertät mit dem Lügen. Das startet schon viel früher, ungefähr im Vorschulalter. Und tatsächlich gehört es genauso zu einer gesunden Entwicklung wie das Laufen- oder Sprechenlernen. In der Pubertät bekommt das Verhalten allerdings eine neue, tiefere Bedeutung.
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Ein Teenager lügt die Eltern nicht (nur) an, um sie zu ärgern. Er oder sie versucht damit, sich abzugrenzen. Eine eigene Identität zu entwickeln. Dinge auszuprobieren, ohne sich erklären zu müssen. Selbst Entscheidungen zu treffen, auch wenn die nicht ganz durchdacht sind.
Teenager stehen an der Schwelle zwischen Kindsein und Erwachsenwerden. Zwischen Abhängigkeit und Selbstbestimmung. Und in genau diesem Chaos wird die Wahrheit manchmal sehr flexibel. Aber eben nicht aus Bosheit, sondern aus Unsicherheit und manchmal auch aus Angst vor Strafen oder Enttäuschung.
Was die Teenie-Lüge über eure Beziehung sagt
Teenager lügen dort am meisten, wo sie sich eigentlich am sichersten fühlen. In einem Umfeld, in dem sie wissen: Hier bin ich sicher, hier werde ich nicht verlassen, hier darf ich Fehler machen, ohne abgeschrieben zu werden.
Teenager, die Tatsachen verdrehen, Grenzen testen und manchmal schamlos flunkern, testen und provozieren ihre Beziehung zu den Eltern. Es kann also ein Zeichen einer guten Bindung sein, wenn ein Kind nicht so agiert, wie die Eltern es gerne hätten.
Ein Kind hingegen, das Angst vor den Eltern hat, ist still, angepasst und vorsichtig. Es wird nicht ‚offensichtlich‘ lügen, sondern funktionieren. Sich aber innerlich sehr von den Eltern distanzieren.
Nicht jede Lüge ist gefährlich
Und nicht jede Lüge ist harmlos. Hier sollten Eltern immer unterscheiden. Oft hat man es im Gefühl und spürt unterschwellig, wenn es um eine Kleinigkeit oder etwas Ernstes geht.
Greift das Kind zu einer Flunkerei, wenn es um Schule, Ausreden, Medienzeit und Ausflüchte geht, steckt meist ein innerer Konflikt dahinter. Das Kind hat den Wunsch nach Freiheit, will selbst entscheiden und nicht machen müssen, was die Eltern verlangen.
Es ist aber emotional nicht in der Lage, das offen zu äußern. Es greift also zu einer Lüge, um möglichen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen. Das ist typisches Verhalten und in gewissem Rahmen gesund.
Anders ist es, wenn ein Kind sich stark verändert, wenn es sich zurückzieht, ängstlich wird und Geheimnisse krampfhaft schützt. Geht es um Themen wie Drogen, Gewalt oder Selbstverletzung, dann hat das nichts mehr mit Abgrenzung und einer normalen Entwicklung zu tun. Dann lügt das Kind, um sich zu schützen und Eltern sollten genauer hinsehen und handeln.
Zu viel Kontrolle fördert Lügen
Angelogen zu werden und sich dessen bewusst zu sein, fühlt sich nicht gut an. Genau deshalb reagiert man als Eltern auch oft auf die schädlichste Methode, die es geben kann: mehr Kontrolle, mehr Nachfragen, mehr Überwachung. Kurzfristig vermittelt es Eltern ein Gefühl der Sicherheit. Langfristig sorgt es aber nur dafür, dass Teenager lernen, besser zu lügen und raffinierter zu werden.
Die bessere Reaktion ist Ruhe und ein Satz, der dem Kind signalisiert, dass man ahnt, dass hier nicht nur die Wahrheit gesagt wird: „Ich merke, hier stimmt gerade was nicht ganz. Wenn du bereit bist, ehrlich zu sein, höre ich gerne zu.“ Kein Verhör, keine Drohung und keine sofortigen Konsequenzen. Nur eine Einladung zu einem ehrlichen Gespräch. Und die wirkt oft länger nach als jedes Gemecker.
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Wie verhindert man Lügen?
Die besser Frage muss wohl lauten: Wie schafft man ein Umfeld, in welchem das Kind (irgendwann) von selbst ehrlich sein will?
Der Weg zu mehr Offenheit führt nicht über mehr Kontrolle, sondern über Sicherheit. Ein Kind, das Fehler machen darf und weiß, dass es bedingungslos geliebt wird, wird sich über kurz oder lang auch trauen, den Eltern die Wahrheit zu sagen, selbst, wenn es richtig Mist gebaut hat.
Und darin liegt der Unterschied zwischen einfach nur angelogen werden und trotz allem eine starke Bindung und Beziehung haben. Es ist kein Zeichen dafür, dass man als Eltern etwas falsch gemacht hat, aber dafür, dass das Kind gerade in einem chaotischen Entwicklungsprozess steckt. Und darin steckt ganz viel Potenzial für die weitere Beziehung zwischen Eltern und Teenager.
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