Eine Marke von
Veröffentlicht inBaby & Kleinkind, Familie, Kind & Teenager

Muss mein Kind teilen lernen? Eine ehrliche Antwort!

Zwei Kinder streiten sich auf dem Rasen um einen Fußball
© Adobe Stock/Robert Kneschke

Vorab im Video: 5 Sätze, die Kinder zu empathischen Menschen machen

Empathie ist zu großen Teilen erlerntes Verhalten

Muss ein Kind wirklich teilen lernen? Und wenn ja, wie bringt man ihm das am einfachsten bei? Wir sagen es dir.

Viele Eltern kennen diese Situation: Zwei Kinder spielen zusammen und plötzlich gibt es Streit um ein Spielzeug. Diese Phase kennen wir bei uns zu Hause auch gerade. Mein 3-Jähriger spielt gerne mit anderen Kindern, aber teilen? Na ja, wenn’s unbedingt sein muss, ja. Aber sonst auch gerne nicht. Doch muss ein Kind wirklich teilen lernen? Und was sagt die Pädagogik dazu?

Die gute Nachricht: Teilen ist wichtig. Aber Kinder lernen es nicht dadurch, dass wir es ständig einfordern. Vielmehr entwickelt sich die Fähigkeit zum Teilen Schritt für Schritt.

Warum Teilen für Kinder nicht selbstverständlich ist

Kleine Kinder sehen die Welt zunächst aus ihrer eigenen Perspektive. Das ist völlig normal. Entwicklungspsychologen wissen, dass Kinder erst nach und nach verstehen, dass andere Menschen eigene Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse haben.

Ein zweijähriges Kind denkt oft einfach, dass es sein Auto ist, also spielt es auch damit. Es handelt nicht egoistisch, sondern folgt einfach seinem Entwicklungsstand. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, wächst erst mit den Jahren.

Deshalb sollten Eltern nicht erwarten, dass Kleinkinder automatisch großzügig teilen. Dafür fehlt ihnen oft noch das nötige Verständnis.

Teilen lernen ist ein Prozess

Teilen gehört zu den sozialen Fähigkeiten, die Kinder mit der Zeit entwickeln. Ähnlich wie Laufen oder Sprechen braucht auch diese Kompetenz Übung. Kinder können schon früh Ansätze von Mitgefühl zeigen. Gleichzeitig möchten sie aber auch ihre eigenen Interessen schützen. Beides gehört zur Entwicklung dazu.

Mit zunehmendem Alter verstehen Kinder besser, wie sich andere fühlen. Sie merken, dass gemeinsames Spielen oft mehr Spaß macht und dass Geben und Nehmen zum Zusammenleben gehören.

Muss mein Kind also teilen?

Die Antwort lautet: Ja und nein.

Kinder sollten lernen, Rücksicht auf andere zu nehmen und Dinge miteinander zu teilen. Das ist wichtig für Freundschaften, für das soziale Miteinander und später auch für Schule und Beruf.

Gleichzeitig muss ein Kind nicht immer alles teilen. Auch Kinder haben ein Recht auf persönliche Gegenstände. Erwachsene teilen schließlich ebenfalls nicht jeden Besitz mit anderen. Niemand erwartet, dass wir unser Smartphone oder unseren Lieblingspullover jederzeit hergeben.

Deshalb dürfen Kinder durchaus entscheiden, dass bestimmte Dinge nur ihnen gehören.

Lesetipp: Diese Eigenschaften zeigen, dass ein Kind mehr gelernt hat als nur „Bitte“ und „Danke“

Wann ist Teilen sinnvoll

Es gibt Situationen, in denen Teilen eine wichtige soziale Erfahrung sein kann:

  • beim gemeinsamen Spielen mit Freunden
  • bei Spielsachen, die für alle gedacht sind
  • in der Familie, wenn etwas gemeinsam genutzt wird
  • bei Aktivitäten in der Kita oder Schule

Hier lernen Kinder, aufeinander zu achten und Kompromisse zu finden.

Wichtig ist jedoch, dass Teilen freiwillig geschieht. Kinder entwickeln soziale Kompetenz nachhaltiger, wenn sie positive Erfahrungen damit machen, statt dazu gezwungen zu werden.

Mein Mama-Tipp

Wenn mein Kind nicht teilen möchte, übe ich keinen Druck aus. Mit Geduld und Verständnis lernen Kinder oft ganz von selbst, Rücksicht zu nehmen und zu teilen.

Expertin für Erziehungsfragen im Kleinkindalter

-> Mehr von Caro lesen

Warum Zwang oft das Gegenteil bewirkt

Wenn Erwachsene ein Kind ständig zum Teilen drängen, kann das unerwünschte Folgen haben.

Das Kind erlebt möglicherweise, dass seine eigenen Bedürfnisse keine Rolle spielen. Es fühlt sich übergangen der ungerecht behandelt. Manche Kinder klammern dann sogar noch stärker an ihren Sachen.

Pädagoginnen und Pädagogen empfehlen deshalb, Kinder nicht einfach zum Abgeben zu zwingen. Besser ist es, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So lernen Kinder, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

Auch lesen: Mein Mama-Tipp: So lernte mein Kind zu warten (und geduldiger zu sein)

Was Kinder wirklich lernen sollten

Das eigentliche Ziel ist nicht, dass Kinder jeden Gegenstand sofort hergeben. Viel wichtiger ist, dass sie soziale Fähigkeiten entwickeln.

Dazu gehören:

  • Empathie und Mitgefühl
  • Rücksichtnahme
  • Kompromissbereitschaft
  • Konfliktlösung
  • Respekt vor den Bedürfnissen anderer

Wenn Kinder diese Fähigkeiten erwerben, entsteht Teilen oft ganz von selbst.

Auch interessant: Erziehung: 5 Werte, die jedes Kind lernen sollte

Eltern sind wichtige Vorbilder

Kinder beobachten Erwachsene sehr genau. Sie lernen weniger durch Ermahnungen als durch Vorbilder. Wenn Eltern selbst großzügig sind, anderen helfen und respektvoll miteinander umgehen, übernehmen Kinder diese Verhaltensweisen häufig mit der Zeit.

Ein Satz wie „Ich teile gerne mit dir“ wirkt oft stärker als zehn Aufforderungen zum Teilen.

Teilen lernen statt Teilen müssen

Kinder müssen nicht lernen, alles und jederzeit zu teilen. Sie sollten jedoch lernen, auf andere Rücksicht zu nehmen und gemeinsame Lösungen zu finden. Aus pädagogischer Sicht ist Teilen kein Zwang, sondern eine soziale Kompetenz, die sich Schritt für Schritt entwickelt.

Eltern können diesen Prozess unterstützen, indem sie Verständnis für die Entwicklung ihres Kindes zeigen, gute Vorbilder sind und Konflikte begleiten, statt sofort einzugreifen. So lernen Kinder langfristig, dass Teilen keine Pflicht sein muss, sondern eine freiwillige Entscheidung sein kann, die das Zusammenleben für alle angenehmer macht.

Weitere Lesetipps: