Ich bin seit 3,5 Jahren Mama. Anfangs dachte ich, mein Partner und ich teilen uns die Aufgaben. Wir werden beide Ansprechpartner für unser Kind und auch um alltägliche Dinge kümmern wir uns gemeinsam. Die Realtität holte mich schnell ein. Denn plötzlich war ich vom sogenannte Default Parent Syndrome betroffen.
Der Begriff macht derzeit in sozialen Medien und Elternforen die Runde. Gemeint ist damit die Situation, dass in einer Familie ein Elternteil automatisch als Hauptansprechperson für alles rund ums Kind gilt. Unabhängig davon, wer gerade Zeit hat oder tatsächlich zuständig sein könnte.
Doch ist das wirklich ein Problem? Oder gehört es einfach zum Familienalltag dazu? Die Antwort liegt wie so oft irgendwo dazwischen.
Was bedeutet Default Parent überhaupt?
Der „Default Parent“ ist der Elternteil, der automatisch einspringt, organisiert, plant und sich kümmert. Wörtlich übersetzt handelt es sich um den „hauptverantwortlichen Elternteil“.
Er weiß, wann der nächste Impftermin ansteht, welche Turnschuhe zu klein geworden sind und welches Kuscheltier unbedingt mit in den Kindergarten muss. Auch wenn beide Eltern berufstätig sind, landet ein Großteil dieser Aufgaben häufig bei einer Person.
Oft – aber längst nicht immer – ist das die Mutter.
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So sieht das im Alltag aus
Das Phänomen zeigt sich meist in vielen kleinen Situationen:
- Das Kind hat nachts einen Albtraum und ruft nur nach Mama oder nach Papa.
- Die Kita ruft bei Problemen zuerst einen Elternteil an.
- Geburtstagsgeschenke, Arzttermin und Wechselkleidung werden von derselben Person organisiert.
- Das Kind fragt immer denselben Elternteil nach Hilfe bei Hausaufgaben oder Konflikten.
Für Außenstehende wirken diese Aufgaben oft unscheinbar. Zusammen ergeben sie jedoch eine enorme mentale Belastung. Der Mental Load ist heutzutage nämlich größer denn je. Besonders für Mamas.

Mein Mama-Tipp
Verantwortung in der Familie sollte regelmäßig neu verteilt werden. Was einmal praktisch war, kann schnell zur Dauerbelastung für eine Person werden.
Redakteurin für Familien-und Erziehungstehmen
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Warum entsteht diese Rolle des Default Parent?
Häufig entwickelt sich die Verteilung ganz automatisch. Vielleicht war ein Elternteil in Elternzeit und hat dadurch mehr Erfahrung gesammelt. Vielleicht arbeitet ein Elternteil weniger Stunden oder kümmert sich einfach von Anfang an stärker um die Organisation des Familienalltags.
Oder vielleicht hat sich die Gesellschaft einfach dahin entwickelt, dass Mamas einfach die Rudelführerin der Familie sind. Ob sie wollen oder nicht.
Kinder gewöhnen sich schnell an feste Abläufe. Sie lernen, wer ihre Bedürfnisse meist erfüllt und wenden sich dann bevorzugt an diese Person. Das ist zunächst weder falsch noch ungewöhnlich.
Die Vorteile: Warum ein Default Parent auch hilfreich sein kann
So kritisch der Begriff oft diskutiert wird, es gibt auch durchaus positive Seiten.
Wenn ein Elternteil den Überblick behält, entstehen klare Strukturen. Termine werden eingehalten, wichtige Informationen gehen nicht verloren und die Kinder wissen, an wen sie sich wenden können.
Gerade in stressigen Familienphasen kann diese klare Zuständigkeit für Stabilität sorgen. Auch Kinder profitieren oft von einer besonders engen Bindung zu einer vertrauten Bezugsperson. Diese Sicherheit ist für ihre Entwicklung wichtig.
Die Nachteile: Wenn die Verantwortung zur Dauerbelastung wird
Problematisch wird es, wenn aus einer praktischen Aufgabenverteilung eine dauerhafte Überbelastung entsteht. Viele Default Parents erklären, dass sie nie wirklich „frei“ haben. Selbst wenn der andere Elternteil die Kinder betreut, müssen sie vorher erklären, organisieren oder erinnern.
Die Verantwortung bleibt also im Kopf. Psycholog*innen sprechen hier häufig von der sogenannten „Mental Load“. Der unsichtbaren Denkarbeit hinter dem Familienalltag.
Wer ständig an Arzttermine, Kitafeste, Geburtstage oder den Einkauf denken muss, fühlt sich auf Dauer erschöpft.
Kritik am Begriff: Macht er das Problem zu einfach?
Genau hier beginnt auch die Kritik am Default Parent Syndrome. Denn der Begriff suggeriert manchmal, dass es immer einen „guten“ und einen „schlechten“ Elternteil gibt. Die Realität ist meistens jedoch deutlich komplexer.
In vielen Familien wurde die Rollenverteilung gemeinsam entschieden. Manche Eltern übernehmen bestimmte Aufgaben sogar gerne. Andere haben aufgrund ihrer Arbeitszeiten weniger Möglichkeiten, sich einzubringen.
Außerdem besteht die Gefahr, dass der Begriff alte Klischees verstärkt. Nicht jede Mutter ist automatisch überlastet und nicht jeder Vater automatisch weniger engagiert. Familienmodelle sind heute vielfältiger denn je.
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Was können Familien tun?
Der erste Schritt ist, die Aufgaben überhaupt sichtbar zu machen. Oft wird erst beim genauen Hinsehen deutlich, wer wie viel organisiert, plant und übernimmt. Eine offene Unterhaltung kann helfen, Verantwortung fairer zu verteilen.
Dabei geht es nicht darum, jede Aufgabe exakt aufzurechnen. Viel wichtiger ist das Gefühl, dass beide Elternteile Verantwortung tragen. Kinder können ebenfalls lernen, sich an beide Elternteile zu wenden. Das braucht manchmal etwas Geduld, stärkt aber langfristig die gesamte Familie.
Familie ist Teamarbeit, keine Ein-Personen-Aufgabe
Ein Default Parent zu sein, ist nicht automatisch etwas Schlechtes. Viele Familien funktionieren mit klaren Zuständigkeiten sogar sehr gut. Schwierig wird es erst dann, wenn ein Elternteil dauerhaft die komplette Verantwortung trägt und sich damit allein gelassen fühlt.
Deshalb lohnt es sich, regelmäßig zu hinterfragen: Ist die Aufgabenverteilung für alle Beteiligten noch fair? Oder ist aus einer praktischen Lösung längst eine Belastung geworden? Denn Familienalltag sollte nicht auf den Schultern einer einzigen Person ruhen, sondern von allen gemeinsam getragen werden.
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