Ob in der Schule oder zu Hause: Digitale Geräte sind längst Teil des Alltags. Auch mir fällt immer wieder auf, dass ich nur noch digital kommuniziere. Per WhatsApp, per E-Mail oder Teams. Selbstgeschriebene Briefe? Was war das nochmal. Oder Einkaufslisten? Die laufen bei mir auch nur noch digital.
Umso häufiger habe ich mir daher die Frage gestellt, ob man das Schreiben überhaupt noch intensiv lernen muss. Neurowissenschaftler und Bildungsforscher sind sich in einem Punkt weitgehend einig: Ja. Denn Handschrift ist weit mehr als eine Kulturtechnik. Sie unterstützt wichtige Lernprozesse im Gehirn.
Das Gehirn arbeitet beim Schreiben auf Hochtouren
Während beim Tippen meist nur einzelne Tasten gedrückt werden, verlangt das Schreiben mit der Hand deutlich komplexere Bewegungsabläufe. Für jeden Buchstaben muss das Gehirn ein eigenes Bewegungsmuster planen und ausführen.
Der Schweizer Neurowissenschaftler Lutz Jäncke von der Universität Zürich erklärt im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, dass genau diese unterschiedlichen motorischen Programme entscheidend sind. Jeder Buchstabe erfordert eine andere Bewegung. Und genau dadurch wird das Gehirn stärker aktiviert als beim Tippen.
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Langsamer schreiben, besser lernen
Ein weiterer Vorteil der Handschrift liegt im Tempo. Wer mit der Hand schreibt, kann Informationen nicht Wort für Wort mitschreiben wie auf einer Tastatur. Stattdessen müssen Inhalte verarbeitet, zusammengefasst und in eigene Worte übertragen werden.
Jäncke beschreibt diesen Vorgang als einen besonders effektiven Weg. Wissen im Gedächtnis zu verankern. Das Formulieren in eigenen Worten helfe dem Gehirn dabei, Informationen dauerhaft abzuspeichern.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine viel zitierte Studie der Wissenschaftler Pam Mueller und Daniel Oppenheimer. Sie zeigte, dass handschriftliche Notizen häufig zu einem besseren Verständnis und einer nachhaltigeren Erinnerung führen als das reine Mitschreiben am Laptop.

Mein Mama-Tipp
Schreib zwischendurch bewusst wieder etwas mit der Hand. Auch wenn es nur eine kurze Notiz oder eine Einkaufsliste ist. Das tut nicht nur dem Gedächtnis gut, sondern sorgt auch für eine kleine Bildschirmpause.
Redakteurin für Erziehungs- und Familienthemen
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Handschrift stärkt die Sprachentwicklung
Nach Ansicht von Jäncke sollten Eltern bereits vor der Einschulung gemeinsam mit ihren Kindern lesen und schreiben. Sprache sei eines der wichtigsten Werkzeuge des Menschen. Entsprechend wichtig sei es, Kinder früh an einen bewussten Umgang mit Sprache heranzuführen. Handschrift könne dabei den Spracherwerb sinnvoll unterstützen.
Auch Bildungsforscher weisen seit Jahren darauf hin, dass frühe Sprachförderung entscheidend für den späteren Schulerfolg ist. Gemeinsames Vorlesen, Gespräche und erste Schreibversuche schaffen wichtige Grundlagen für Lesen und Schreiben.
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Mehr als nur Deutschunterricht
Handschrift spielt nicht nur beim Schreiben von Geschichten oder Diktaten eine Rolle. Nach Einschätzung von Jäncke profitieren Kinder auch in Mathematik davon. Formeln, Rechenwege oder Skizzen lassen sich handschriftlich oft besser strukturieren und nachvollziehen. Gerade beim Lösen komplexer Aufgaben unterstützt das Schreiben den Denkprozess.
Analog und digital schließen sich nicht aus
Experten betonen, dass Tablets und Computer selbstverständlich ihren Platz im Unterricht haben. Entscheidend sei jedoch die Reihenfolge. Kinder sollten zunächst sicher lesen und schreiben lernen, bevor digitale Eingabegeräte einen größeren Stellenwert einnehmen.
Jäncke formuliert es so: Kinder sollten „immer analog beginnen“. Erst wenn die Grundlagen sitzen, könne das Tippen sinnvoll ergänzt werden.
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So können Eltern das Schreiben spielerisch fördern
Schon kleine Übungen im Alltag helfen dabei, die Handschrift zu trainieren:
- Einkaufslisten gemeinsam schreiben auf einem Zettel.
- Geburtstagskarten selbst gestalten.
- Den eigenen Namen oder kurze Wörter üben.
- Mit Kreide auf Gehwegen malen.
- Kleine Geschichten oder Tagebucheinträge verfassen.
Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern darum, Freude am Schreiben zu entwickeln.

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