Ich war lange überzeugt davon, mich gut zu kennen. Ich wusste, was mich ausmacht, worin ich gut bin und welche Werte mir wichtig sind. Und dann wurden aus meinen Kindern Teenager.
Seitdem habe ich Seiten an mir entdeckt, die ich vorher nie bewusst wahrgenommen habe. Manche haben mich überrascht, andere haben mich ehrlich gesagt auch erschreckt. Denn wenn Kinder klein sind, brauchen sie uns vor allem praktisch. Teenager dagegen halten uns einen Spiegel vor.
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Heute, mit einem 16-jährigen Sohn und einer 13-jährigen Tochter, merke ich oft, dass ich nicht nur sie durch diese besondere Zeit begleite. Ich lerne dabei auch eine Menge über mich selbst.
Das Thema Väter, die keinen Unterhalt für ihre Kinder zahlen, hat viele Emotionen bei unserer Community hervorgerufen. Bei uns auch. Deshalb wollen wir das Thema auf gofeminin.de, im gofeminin-Forum und auf unseren Social Media Kanälen intensiver aufgreifen – und jetzt kommst du ins Spiel!
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Ich kann viel schlechter loslassen, als ich dachte
Ich habe immer gedacht, es würde mir leichtfallen, meinen Kindern Freiheit zu schenken, wenn sie größer werden. Schließlich gehört Selbstständigkeit zum Erwachsenwerden dazu. In der Realität fühlt sich Loslassen allerdings anders an.
Es bedeutet, dass mein Sohn Entscheidungen trifft, die ich anders getroffen hätte. Dass meine Tochter Dinge ausprobiert, bei denen ich am liebsten sofort eingreifen würde. Dass sie Fehler machen, obwohl ich genau weiß, wie sie ausgehen können. Nicht, weil ich ihnen nichts zutraue, sondern weil ich sie beschützen möchte.
Erst durch sie habe ich verstanden, wie eng Liebe und Kontrolle miteinander verbunden sein können. Und das Loslassen kein einmaliger Schritt ist, sondern etwas, das man immer wieder neu lernen muss.
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Ich bin ungeduldiger, als ich wahrhaben wollte
Ich war überzeugt davon, ein geduldiger Mensch zu sein. Bis meine Kinder das Diskutieren für sich entdeckt haben, ich Bitten mehrmals formulieren musste und ich auf Antworten nur ein genervtes Augenrollen bekommen habe.
Teenager bringen einen an Grenzen, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie hat.
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Und manchmal merke ich, dass meine Ungeduld gar nichts mit meinen Kindern zu tun hat. Sondern mit meinem eigenen Stress, meiner Müdigkeit, oder dem Gefühl, dass zu viel gleichzeitig passiert.
Das macht mein Verhalten nicht besser. Aber es hilft mir, zu verstehen, warum ich manchmal so reagiere, obwohl ich gerne anders handeln möchte.
Ich höre nicht immer so gut zu, wie ich dachte
Ich habe mich mehr als einmal dabei erwischt, wie ich quasi darauf gewartet habe, meinen Rat loszuwerden, wenn mir eines der Kinder etwas erzählt hat. Mit unmittelbaren Folgen.
Gelernt habe ich das vor allem im Gespräch mit meiner Tochter. Wenn ich nämlich sofort Lösungen angeboten habe, war das Gespräch oft schnell beendet. Aber wenn ich wirklich einfach nur zugehört habe, hat sie viel mehr erzählt. Und das fiel mir sehr schwer.
Nichtstun fühlt sich als Mutter falsch an. Aber Teenager brauchen eben nicht immer eine Lösung. Manchmal brauchen sie uns, damit wir ihre Gedanken aushalten.
Ich nehme Kritik persönlicher, als ich sollte
Teenager können sehr sehr ehrlich sein. Sie sagen einem frei raus, dass ein Pulli peinlich aussieht, dass man nervt, etwas nicht versteht, sich zu sehr einmischt und und und. Und die Kritik von den eigenen Teenie-Kindern trifft einen ganz anderen Punkt.
Ich muss auch jetzt noch lernen, solche Urteile über mich nicht zu persönlich zu nehmen, denn oft haben sie gar nicht direkt etwas mit mir zu tun. Viel öfter hat der Teen einfach schlechte Laune, hat irgendwas nicht bekommen, ist selbst unzufrieden oder alles zusammen.
Ich darf Fehler machen
Es liegt bestimmt in der Natur der Sache, dass man als Eltern alles richtig machen möchte. Gelassen bleiben, das Richtige sagen, Verständnis haben und gute und richtige Entscheidungen treffen. Das klappt aber natürlich nicht.
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Ich werde mal laut, bin bestimmt mal unfair und entschuldige mich. Ich denke lange über Situationen nach und möchte sie beim nächsten Mal anders machen. Und genau das gehört vermutlich dazu als Eltern: die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen.
Ich brauche meine Grenzen
Als meine Kinder kleiner waren, drehte sich vor allem viel um ihre Bedürfnisse. Die eigenen stellt man irgendwie automatisch hinten an. Jetzt, da meine Kinder größer sind, nehme ich meine eigenen Grenzen wieder viel deutlicher wahr.
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Ich brauche Pausen und Zeit für mich. Ich muss nicht jedes Problem sofort lösen und auch nicht jede Stimmung auffangen. Und manchmal fühlt sich das egoistisch an. Aber ich weiß, wenn ich dauerhaft über meine Grenzen gehe, reagiere ich gereizt, ungeduldig und erschöpft. Und davon haben weder meine Kinder noch ich etwas.
Ich muss nicht auf jede Stimmung reagieren
Früher habe ich die schlechte Stimmung meiner Kinder oft aufgefangen. Ich wollte herausfinden was los ist, wollte helfen und habe nachgefragt. Ich wollte die Situation einfach besser und leichter machen.
Aber die schlechte Stimmung meiner Teenager ist eben manchmal nur schlechte Stimmung. Nicht jeder genervte Blick braucht eine Unterhaltung, nicht jede knappe Antwort ist ein Hilferuf und nicht jede verschlossene Tür bedeutet, dass etwas Schlimmes passiert ist.
Diese Gelassenheit lerne ich immer noch.
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Meine Kinder verändern sich, und ich mich auch
Teenager werden in der Pubertät selbstständiger, mutiger, manchmal widersprüchlich und so finden sie langsam ihren Platz im Leben. Und das bedeutet auch, dass wir Eltern uns genauso weiterentwickeln.
Ich bin heute nicht mehr dieselbe Mutter wie vor fünf Jahren. Und ich bin auch nicht mehr dieselbe Frau. Ich bin vor allem ehrlicher mit mir selbst, bin näher bei mir und kann es genießen, Mama zweier Teenager zu sein. Denn sie haben mir gezeigt, dass auch Erwachsene nie damit ‚fertig‘ sind, sich weiterzuentwickeln.
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