Meine Tochter ist jetzt 13 Jahre alt und damit ein waschechter Teenager. Und ich erlebe hautnah, wie schnell sie groß wird. Jeden Tag wird sie ein Stück selbstständiger. Sie trifft eigene Entscheidungen, ist immer häufiger mit Freundinnen unterwegs und entdeckt die Welt auf ihre ganz eigene Weise.
Natürlich macht mich das stolz. Und gleichzeitig möchte ich sie manchmal am liebsten vor allem beschützen, was ihr wehtun könnte.
Aber genau das funktioniert nicht. Ich weiß, dass sie nicht ewig in meiner Nähe bleiben wird. Sie muss eigene Erfahrungen und Fehler machen und ihren Weg finden. Es ist nicht meine Aufgabe, ihr jeden Stein aus dem Weg zu räumen, sondern ihr das mitzugeben, was ihr hilft, gute Entscheidungen zu treffen, auch dann, wenn ich nicht da(bei) bin.
Es gibt ein paar Dinge, von denen ich hoffe, dass meine Tochter sie nie vergisst. Dinge, über die wir immer wieder sprechen. Weil sie ihr Sicherheit geben können. Weil sie ihr helfen, Grenzen zu setzen. Und weil ich glaube, dass jedes Teenie-Mädchen sie wissen sollte.
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1. Die Aufmerksamkeit eines deutlich älteren Jungen ist kein Kompliment
Viele Mädchen freuen sich, wenn ein älterer Junge Interesse zeigt, denn es fühlt sich nach Bestätigung an. Doch genau deshalb ist dieses Thema so wichtig.
Zeigt ein älterer Jugendlicher oder sogar ein erwachsener Mann Interesse an einem jungen Mädchen, steckt dahinter nicht, dass das Mädchen besonders reif für ihr Alter ist. Viel eher stellt sich die Frage, warum jemand, der deutlich älter ist, nicht Kontakt zu Gleichaltrigen sucht?
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Und ja, es gibt Beziehungen mit deutlichem Altersunterschied, die später im Leben auch völlig unproblematisch sind. Aber in jungen Jahren ist das Machtgefälle einfach sehr groß: mehr Lebenserfahrung, mehr Selbstbewusstsein, mehr Einfluss. Dass kann sehr leicht dazu führen, dass (persönliche) Grenzen verschoben werden.
Deshalb gilt immer: Aufmerksamkeit allein ist niemals ein Beweis dafür, dass jemand es gut mit dir meint!
2. Wer dich wirklich mag, akzeptiert dein Nein
Ein Nein braucht keine Begründung. Egal ob es um ein Treffen, eine Umarmung, Alkohol, Sex oder eine Mutprobe geht. Menschen, die dich respektieren, akzeptieren auch deine Entscheidung.
Sätze wie, „Jetzt stell dich nicht so an“, „Wenn du mich wirklich mögen würdest, …“ oder „Alle anderen machen das auch“ sind kein Liebesbeweis. Sie sind Versuche, Druck aufzubauen.
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Du musst niemadem beweisen, dass du freundlich bist. Du musst deine eigenen Grenzen nicht verschieben, auch dann nicht, wenn du ein schlechtes Gewissen hast (oder wenn jemand versucht, dir eines zu machen). Dein Bauchgefühl verdient mehr Vertrauen als die Meinung anderer.
3. Das Internet vergisst nie
Screenshots sind in Sekunden gemacht. Bilder können weitergeleitet, gespeichert oder veröffentlich werden. Dasselbe gilt für Sprachnachrichten, Chats oder Videos. Deshalb lohnt sich vor jedem Klick eine einfache Frage:
Wäre es für mich in Ordnung, wenn dieses Bild oder diese Nachricht morgen in meiner Schule, bei meiner Familie oder irgendwann im Berufsleben auftauchen würde? Wenn die Antwort Nein lautet, solltest du es nicht verschicken.
Das bedeutet nicht, ständig Angst vor dem Internet zu haben. Es bedeutet lediglich, sich bewusst zu machen, dass digitale Inhalte oft länger existieren als man denkt.
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4. Du darfst jederzeit gehen
Du bist auf einer Party und fühlst dich unwohl? Das Date verläuft anders als gedacht? Jemand wird aufdringlich? Oder dein Bauchgefühl sagt dir, dass etwas nicht stimmt? Dann geh.
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Du musst nicht höflich bleiben. Du musst dich nicht entschuldigen. Du musst auch nicht erklären, warum du gehst. Deine Sicherheit ist immer wichtiger, als unhöflich zu wirken.
Besonders Mädchen lernen früh, freundlich zu sein und niemanden vor den Kopf zu stoßen. Doch damit schützen sie nicht sich selbst, sondern andere Personen, die Grenzen überschreiten.
Deshalb sollte jedes Mädchen immer einen Exit-Plan haben. Überlege dir vorher, wie du nach Hause kommst, wen du anrufen kannst oder welche Freundin bescheid weiß. Wer vorbereitet ist, trifft in schwierigen Situationen oft schneller gute Entscheidungen.
5. Vereinbare ein Codewort
Überlegt euch gemeinsam, also Tochter (oder auch Söhne) und Eltern einen Satz oder ein einziges Wort, das nur eine Bedeutung hat: „Bitte hol mich sofort ab. Ich fühle mich hier nicht sicher.“
Und es bedarf keiner Nachfrage oder Diskussionen und es bedeutet auch keinen Ärger seitens der Eltern.
Allein das Wissen über den Notfallplan gibt Kindern und Teenagern viel Sicherheit.
Was außerdem wichtig ist
Es gibt noch viel mehr Dinge, die jedes Mädchen wissen muss:
- Du musst nicht nett zu jedem sein, wenn dein Bauchgefühl Alarm schlägt.
- Wahre Freundinnen machen dich nicht kleiner, damit sie selbst größer wirken.
- Fehler gehören zum Erwachsenwerden. Sie definieren nicht deinen Wert.
- Hilfe zu holen ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Stärke.
- Du bist niemandem Aufmerksamkeit, Zeit oder Erklärungen schuldig, nur weil jemand sie von dir erwartet.
Muss das wirklich alles sein?
Ja. Eigentlich ist es traurig, dass wir solche Dinge unseren Töchtern überhaupt mit auf den Weg geben müssen, ohne Frage. Dass wir ihnen erklären, warum sie vorsichtig sein sollen. Warum sie Grenzen setzen dürfen. Warum sie einen Fluchtplan brauchen oder ein Codewort mit uns Eltern vereinbaren sollten.
Schöner wäre natürlich eine Welt, in der all das überflüssig wäre. Eine Welt, in der Mädchen und Frauen sich überall sicher fühlen könnten. In der ein Nein selbstverständlich akzeptiert wird. In der niemand die Gutgläubigkeit oder Unsicherheit junger Menschen ausnutzt.
Doch so weit sind wir leider noch nicht. Gleichberechtigung bedeutet nicht nur, dass alle die gleichen Rechte haben. Sie bedeutet auch, dass diese Rechte überall respektiert werden. Und davon sind wir noch entfernt.
Bis dahin können wir unsere Töchter nicht vor allem bewahren. Aber wir können sie stark machen, indem wir ihnen Vertrauen schenken, mit ihnen sprechen und ihnen zeigen, dass sie immer das Recht haben, auf ihr Bauchgefühl zu hören, Grenzen zu setzen und sich Hilfe zu holen.
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