Familienalltag sieht heute anders aus als beispielsweise noch zu unserer Kindheit (in den 80ern und frühen 90ern). Während das Wort der Eltern früher oft Gesetz war, und man nicht selten den Satz „Weil ich es sage“ als absoluten Schlusspunkt jeder Diskussion verstanden hat, diskutieren Kinder heute mehr. Sie stellen Nachfragen und wollen verstehen, warum Dinge erlaubt oder verboten sind.
Und wir stehen ihnen in der Regel Rede und Antwort – auch, wenn wir das manchmal als anstrengend empfinden. Bedeutet das, dass wir weniger Autorität besitzen, als unsere Eltern und unsere Kinder eventuell schlechter erziehen?
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Früher war mehr Autorität
Erziehung war über eine verdammt lange Zeit sehr hierarchisch. Erwachsene haben sich über Kinder gestellt und Entscheidungen wurden ausschließlich von oben herab getroffen. Mitspracherecht gab es wenig und selten für Kinder, denn Erwachsene waren Respektspersonen. Nicht etwa, weil sie sich diesen Respekt in irgendeiner Form verdient hätten, sondern weil ihre Rolle ihnen Autorität verliehen hat.
Vorteile dieser streng hierarchischen Erziehung waren, dass Regeln von Erwachsenen galten. Entscheidungen wurden schnell getroffen und Familienstrukturen waren übersichtlich.
Nachteile hatte es aber auch, denn Kinder wurden mit dieser Methode der Erziehung zu sturem Gehorsam statt Eigenverantwortung erzogen. Ihre Gefühle, Bedürfnisse und Meinungen spielten eine untergeordnete Rolle.
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Kinder wachsen heute anders auf
Heute spielt diese Art der Autorität selten eine Rolle in Familien. Weil sich der Anspruch innerhalb der Familien, aber auch in der Gesellschaft verändert hat. Kinder erleben heute früh, dass ihre Meinung wichtig ist, ihre Gefühle zählen und sie ein Mitspracherecht haben.
Das führt automatisch dazu, dass Kinder mehr hinterfragen. Aber eben nicht, weil sie respektlos(er) sind, sondern weil sie von klein auf gelernt haben, Dinge infrage zu stellen, die sie nicht verstehen oder nachvollziehen können.
Muss heute mehr Autorität aufgebaut werden?
Dadurch stehen Mütter und Väter heute mehr unter Druck als je zuvor. Sie sollen liebevoll sein, konsequent bleiben, Grenzen setzen, Gefühle begleiten, Bedürfnisse ernst nehmen, aber dabei möglichst keine Fehler machen. Das verunsichert.
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Ständig fragt man sich also, ob man zu streng ist oder doch zu viel mit sich diskutieren lässt. Da kann man seine eigene Position schon mal aus den Augen verlieren, weil man denkt, man müsse das Kind um jeden Preis glücklich machen. Und Kinder nehmen diese Unsicherheit wahr.
Kinder brauchen aber Orientierung von ihren Eltern, um sich sicher zu fühlen. Braucht es also wieder mehr Autorität in der Erziehung?
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Einfluss ist besser als Macht
Meine Antwort dazu ganz klar: Nein! Die große Stärke von uns Eltern heute ist, dass wir in einer anderen Beziehung zu unseren Kindern stehen und nicht die bloße Macht ausüben. Wir sind Vorbilder für sie, wenn es um den Umgang mit Stress, Konflikten und dem einfachen Miteinander geht.
Denn Kinder hören oft nicht auf das, was wir sagen, aber sie beobachten sehr genau, was wir tun. Es stimmt also, dass wir weniger Autorität haben. Wir brauchen aber auch nicht mehr, denn mit unserer heutigen Erziehung haben wir enormen Einfluss auf die Entwicklung unserer Kinder.
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Nähe ersetzt keine Grenzen
Die Nähe zu unseren Kindern bedeutet aber nicht, dass wir immer nachgeben oder jede Entscheidung ausdiskutieren (müssen). Kinder brauchen auch weiterhin Grenzen. Der Unterschied ist, wie sie die vermittelt bekommen.
Während es früher also oft hieß, „Du machst das, weil ich es sage“, lautet derselbe Inhalt heute, „Ich verstehe, dass du das anders möchtest, trotzdem bleibt meine Entscheidung bestehen.“ >> Mehr zum Thema Konsequenz in der Erziehung liest du hier: Warum dein Nein wirklich ein Nein bleiben muss
Beziehung ist unsere Autorität
Kinder brauchen eine sichere Bindung zu einer Person, das ist ein absolutes Grundbedürfnis. Ein Kind, dass sich gesehen, ernst genommen und begleitet fühlt, wird seine Eltern und ihre Werte ernst nehmen und übernehmen.
Das bedeutet keinesfalls, dass Familien nie Konflikte haben und Eltern und Kinder immer in Harmonie zusammenleben. Aber es bedeutet, dass sie die Verbindung zueinander auch dann nicht verlieren, wenn sie unterschiedlicher Meinungen sind.
Wir Eltern sind heute enger in die Leben unserer Kinder eingebunden. Wir sprechen intensiv über Bedürfnisse, Gefühle und Beziehungen. Und das führt vielleicht dazu, dass wir weniger Autorität im Sinne von Macht haben.
Aber die brauchen wir auch gar nicht mehr. Denn wir sind Erwachsene, die Orientierung geben, Verantwortung übernehmen und in Beziehung zu unseren Kindern bleiben.
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