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Warum ich diese Sätze meiner Eltern zu meinen Kindern sage, obwohl ich es nie wollte

Mutter mit Sohn, Tochter und Oma beim Mittagessen am Tisch.
© Adobe Stock/Robert Kneschke

Vorab im Video: Wie erziehen Milliennial-Eltern ihre Kinder?

Und warum regen ältere Generationen sich darüber auf?

Hast du von deinen Eltern auch immer die gleichen Sätze gehört? Warum du sie jetzt auch zu deinen Kindern sagst, sagen wir dir.

Früher war ich mir ganz sicher: Wenn ich einmal Kinder habe, werde ich vieles anders machen als meine Eltern. Ich wollte geduldiger sein, entspannter und vor allem nie diese typischen Sprüche sagen, bei denen ich als Kind nur die Augen verdreht habe.

Und dann kam der Familienalltag.

Zwischen Brotdosen, Wäschebergen, Trotzphasen und der ewigen Frage, was es heute zu essen gibt, rutschen sie plötzlich ganz automatisch über die Lippen. Diese Sätze, die ich mir fest vorgenommen hatte, niemals zu sagen. Und jedes Mal denke ich kurz: Das klingt ja genau wie früher.

Das Verrückte daran: Viele dieser Sprüche haben einen wahren Kern. Damals fand ich sie nervig. Heute verstehe ich, warum meine Eltern sie ständig gesagt haben.

1. „Weil ich es sage.“

Früher hat mich dieser Satz regelmäßig auf die Palme gebracht. Ich wollte wissen, warum etwas nicht erlaubt ist, warum ich jetzt ins Bett muss oder warum es keine zweite Portion Süßigkeiten gibt. Eine richtige Erklärung hätte ich viel fairer gefunden.

Heute erwische ich mich selbst dabei, genau diesen Satz zu sagen. Nicht, weil ich Diskussionen grundsätzlich vermeiden möchte, sondern weil der Alltag manchmal einfach keine langen Verhandlungen zulässt. Zwischen Abendessen, Hausaufgaben und dem ganz normalen Familienchaos fehlt oft die Zeit, jede Entscheidung ausführlich zu erklären. Und manchmal wissen Kinder die Antwort ohnehin schon. Sie hoffen nur darauf, dass sie sich durch hartnäckiges Nachfragen doch noch ändert.

2. „Warte, bis wir zu Hause sind.“

Als Kind wusste ich sofort, dass ich es wohl übertrieben hatte. Der Satz sorgt für ein flaues Gefühl im Bauch und ließ die Heimfahrt plötzlich ziemlich lang erscheinen.

Heute hat dieser Satz für mich eine ganz andere Bedeutung. Ich möchte Konflikte nicht mitten im Supermarkt, auf dem Spielplatz oder vor anderen Menschen austragen. Zuhause haben alle die Möglichkeit, erst einmal durchzuatmen. Dort kann ich meinem Kind in Ruhe erklären, was mich gestört hat, und wir finden (im besten Fall) gemeinsam eine Lösung.

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3. „Mach die Tür zu. Wir heizen nicht für draußen.“

Früher musste ich bei diesem Satz innerlich lachen. Ob die Tür nun ein paar Sekunden länger offen stand oder nicht, erschien mir völlig unwichtig.

Heute sehe ich das anders. Nicht nur wegen der Heizkosten oder der Energieverschwendung. Es geht auch darum, Kindern beizubringen, achtsam mit Ressourcen umzugehen. Viele kleine Gewohnheiten machen am Ende einen Unterschied. Und plötzlich höre ich mich genau den Satz sagen, den ich früher so altmodisch fand.

4. „Räum erst dein Zimmer auf.“

Als Kind gab es gefühlt immer Wichtigeres als Aufräumen. Spielen war spannender, Freunde treffen sowieso. Das Chaos im Kinderzimmer hat mich selbst kaum gestört.

Heute merke ich, wie schnell Unordnung den ganzen Alltag anstrengender macht. Überall liegen Spielsachen, Kleidung oder Bastelsachen herum und plötzlich sucht man morgens verzweifelt den Turnbeutel. Ich erwarte kein perfekt aufgeräumtes Kinderzimmer. Aber ein bisschen Ordnung sorgt dafür, dass alle entspannter durch den Tag kommen.

5. „Wenn alle von der Brücke springen, springst du dann auch?“

Damals fand ich diesen Vergleich ziemlich übertrieben. Schließlich hatte niemand vor, tatsächlich von einer Brücke zu springen.

Heute verstehe ich, worum es bei diesem Satz eigentlich geht. Kinder orientieren sich stark an ihren Freunden und möchten dazugehören. Das ist völlig normal. Trotzdem wünsche ich mir, dass mein Kind lernt, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und nicht alles mitzumachen, nur weil andere es tun. Genau das steckt hinter diesem alten Elternspruch.

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6. „Iss erst mal, dann sehen wir weiter.“

Früher dachte ich oft, meine Eltern würden jedes Problem mit Essen lösen wollen.

Heute weiß ich: Hungrige Kinder sind oft müde, gereizt und schneller frustriert. Und ehrlich gesagt geht es mir manchmal genauso. Bevor wir über schlechte Laune, Streit oder Tränen sprechen, hilft oft erstmal eine Kleinigkeit zu essen. Erstaunlich viele Probleme wirken danach plötzlich gar nicht mehr so groß.

7. „Ich habe keine Augen hinten am Kopf.“

Als Kind war ich überzeugt, dass Eltern trotzdem irgendwie alles mitbekommen. Zumindest schien es so.

Heute weiß ich, dass Eltern nicht alles sehen können. Trotzdem versuchen wir ständig, den Überblick zu behalten. Wer streitet gerade? Wer hat die Zahnpasta im Waschbecken verteilt? Wer war schon wieder heimlich an der Süßigkeitenschublade? Dieser Satz kommt oft genau dann, wenn ich mir wünsche, ich hätte tatsächlich ein zweites Paar Augen.

8. „Du wirst das später einmal verstehen.“

Früher wollte ich diesen Satz überhaupt nicht hören. Ich wollte jetzt eine Antwort und nicht irgendwann in vielen Jahren.

Heute merke ich, dass manche Erfahrungen tatsächlich erst mit der Zeit Sinn ergeben. Seit ich selbst Verantwortung trage und ein Kind habe, verstehe ich viele Entscheidungen meiner Eltern plötzlich viel besser. Manche Dinge lassen sich eben erst nachvollziehen, wenn man selbst in derselben Situation steckt.

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9. „Genieße die Zeit, sie geht so schnell vorbei.“

Früher klang dieser Satz für mich wie eine Floskel. Wie langsam sich manche Tage als Kind doch einfach angefühlt haben.

Heute weiß ich, wie wahr er ist. Natürlich gibt es Tage, die sich endlos ziehen. Tage voller Streit, Müdigkeit und Chaos. Doch plötzlich passt die Lieblingsjacke nicht mehr, das Kuscheltier bleibt immer öfter im Bett und aus dem kleinen Kindergartenkind wird ein Schulkind. Die Jahre vergehen viel schneller, als man es im Alltag bemerkt. Deshalb versuche ich, trotz aller Hektik, die kleinen Momente bewusster wahrzunehmen. Denn genau sie sind es, an die wir uns später erinnern.

Plötzlich versteht man die eigenen Eltern

Elternsein verändert den Blick auf die eigene Kindheit. Viele Sprüche, die früher genervt haben, wirken heute gar nicht mehr so schlimm. Im Gegenteil: Sie entstehen oft aus Liebe, Sorge oder schlicht aus Erschöpfung.

Das bedeutet nicht, dass wir alles genauso machen müssen wie unsere Eltern. Jede Familie findet ihren eigenen Weg. Aber manchmal holen uns diese vertrauten Sätze eben doch ein. Ganz unbemerkt.

Und vielleicht ist das gar nichts Schlechtes. Denn hinter vielen dieser Worte steckt keine Strenge, sondern der Versuch, den Familienalltag irgendwie zu meistern. Am Ende schmunzeln wir darüber, wenn wir uns selbst plötzlich sagen hören, was wir früher nie hören wollten. Und wer weiß, vielleicht erwischen sich unsere Kinder eines Tages dabei, genau diesselben Sätze zu ihren eigenen Kindern zu sagen.

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