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Erziehung: Deshalb ändern Teenager ständig ihre Meinung

Teenie-Mädchen liegt auf einer Decke und scrollt am Handy.
Teenager können sich einfach schwer festlegen. Warum das auch ein bisschen normal ist. liest du bei uns. Credit: Getty Images/ Inti St Clair

Erst ja, dann nein, dann keine Ahnung – wer auf eine Entscheidung eines Teenagers wartet, kann währenddessen schon mal graue Haare bekommen. Warum tun sie sich so schwer damit?

Wer mit Teenagern zusammenlebt, weiß, dass sie sich extrem schwertun mit Entscheidungen. Und wenn ich sage schwer, dann meine ich, es scheint ihnen fast unmöglich, sich für die eine oder andere Sache zu entscheiden. Egal ob Kinofilm, Essen oder sogar das Konzert des Lieblingssängers, gibt man einem Teenager die Wahl, kommt oft nichts dabei heraus.

Während wir Eltern recherchieren, uns informieren, Preise vergleichen und Vorschläge machen, sitzt der Teen daneben, scrollt abwesend durchs Handy und entscheidet sich am Ende für genau gar nichts. Und das wirkt zuweilen sehr widersprüchlich.

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Kinder möchten ab einem gewissen Alter gerne mitreden und entscheiden, wenn es um Ausflüge, Urlaube oder andere Familiensachen geht. Sie wollen ihre Freiheiten und kämpfen hart dafür, länger wegbleiben oder alleine irgendwohin gehen zu dürfen. Aber sobald eine konkrete Entscheidung ansteht, scheint ihnen plötzlich alles zu viel zu sein.

Warum ist das so?

Überangebot an Möglichkeiten

Es gibt heute so viel zu sehen und erleben, dass Teenager permanent das Gefühl haben, etwas Besseres verpassen zu können. Die ‚fear of missing out‘, kurz Fomo, ist ihnen quasi in die Wiege gelegt worden. Sie sind aufgewachsen mit Streaming, Social Media, Gruppenchats und Dauervergleichen. Alles passiert gleichzeitig.

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Und genau das macht Entscheidungen anstrengend. Psychologen sprechen auch vom ‚Decision Overload‘, also einer Entscheidungsüberlastung. Je mehr Optionen es gibt, desto schwieriger wird es, eine davon und idealerweise die Richtige, zu wählen.

Teenagergehirne suchen nach Belohnungen

Erschwerend für Teenager kommt hinzu und ja, es klingt abgedroschen, aber ihre Gehirne entwickeln sich noch. Die Bereiche, die für Planung und Impulskontrolle zuständig sind, die also maßgeblich zu (langfristig wirkenden) Entscheidungen dazu gehören, entwickeln sich noch. Bereiche, die das Belohnungssystem ansprechen, arbeiten aber schon auf Hochtouren. Neue, aufregende Reize wirken deshalb immer stärker.

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So kann es zum Beispiel passieren, dass der Teenager einem morgens beim Frühstück energiegeladen davon berichtet, heute unbedingt ins Freibad gehen zu wollen und nur 30 Minuten später hat er oder sie absolut keine Lust mehr dazu.

Die Angst, etwas Falsches zu wählen

Denn viele Teenager haben Angst davor, etwas falsches zu wählen. Entscheidungen sind heute nämlich öffentlich. Wer auf ein Konzert geht, postet es. Wer auf eine Party nicht eingeladen wurde, sieht das online. Und wer den „falschen“ Film feiert, bekommt genau dafür vielleicht dumme Kommentare.

Teenager bewegen sich heute ständig in Bewertungssystemen. Das kann die kleinste Entscheidung emotional riesengroß machen und eine ‚richtige‘ Entscheidung unmöglich erscheinen lassen. Schließlich wollen Teenager dazugehören und nicht riskieren, negativ aufzufallen.

„Ist mir egal“ stimmt oft nicht

Kann der Teenager sich nicht entscheiden, übernehmen wir Eltern das eben, schließlich wollen wir auch was machen oder essen. Und dann ist unsere Wahl natürlich die falsche.

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Was daran liegt, dass Teenager ihre eigenen Wünsche unsicher wahrnehmen. Manchmal haben sie Angst, jemanden zu enttäuschen und treffen deshalb keine Wahl. Manchmal möchten sie einfach einem Konflikt aus dem Weg gehen und entscheiden, dass sie sich nicht entscheiden. Und manchmal geht’s auch einfach darum, nicht zu begeistert zu sein, weil man ja cool wirken will.

Auch wenn ein Teen sagt, es sei ihm egal, ist es das sehr häufig nicht.

Social Media macht Entscheidungen schwerer

Früher schon war das Gras des Nachbarn immer grüner als das eigene. Und heute, wo Social Media einem ständig vermittelt, welches Leben das beste ist, ist es noch grüner. Teenager heute vergleichen sich rund um die Uhr. Online sieht alles spannender aus als das eigene Leben.

Das kann das Gefühl erzeugen, ständig die optimale Entscheidung treffen zu müssen. Genau das kann Teens lähmen. Denn woher sollen sie wissen, welche das ist.

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Gar nichts ist besser als das Falsche

Entscheidungen kosten den Teenager extra Energie, die er oder sie manchmal einfach nicht aufbringen kann. Und dann geben sie Verantwortung ab mit Sätzen wie, „Entscheide du.“, „Keine Ahnung.“ oder „Mach einfach.“.

Das wirkt auf uns faul und desinteressiert. Oft sind unsere Teens aber schlicht mental erschöpft. Denn sie treffen den ganzen Tag über Mikroentscheidungen:

  • Was ziehe ich an (damit ich dazu passe)?
  • Was poste ich (damit ich Anerkennung und Likes sammle)?
  • Wer liked was (und was muss ich auch liken)?
  • Wer antwortet wem?
  • Welche Gruppe ist gerade besonders wichtig?

Davon wären selbst wir Eltern erschöpft.

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Teenagern bei Entscheidungen helfen?

1. Optionen beschränken

Es ist ein Beispiel, dass gewiss jede*r kennt. Du sitzt im Restaurant und die Speisekarte ist so lang und groß, dass du dich einfach nicht entscheiden kannst, worauf du genau Lust hat. Das passiert viel seltener, wenn die Auswahl der Gerichte begrenzt ist. Eine kleinere Auswahl an Optionen, hilft auch Teenagern dabei, sich zu entscheiden.

„Möchtest du ins Kino gehen oder lieber zu Hause gemütlich Pizza essen? Such eins aus.“

2. Nicht sofort retten

Wir Eltern neigen dazu, unseren entscheidungsscheuen Teen zu retten und treffen selbst die Entscheidung. Das hilft aber dem Kind nicht. Es muss ja lernen, sich entscheiden zu können und sollte sich dabei nicht auf andere verlassen.

3. Fehler normal machen

Die größte Angst der Teens ist, sich falsch zu entscheiden. Deshalb treffen sie einfach keine. So funktioniert aber das Leben nicht. Und genau das kann man seinem Teenager vermitteln, indem man eine positive Fehlerkultur lebt.

Und dann schaut man eben mal einen langweiligen Film, besucht in doofes Konzert oder verpasst die mega Party.

Wer lernt, dass falsche Entscheidungen kein Drama sind, entscheidet sich beim nächsten Mal vielleicht ein bisschen mutiger.

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4. Unentschlossenheit ist keine Ablehnung

Teenager tun sich nicht nur schwer mit Entscheidungen, sie wechseln ihre Meinung sehr spontan und emotional. Haben sie gerade noch ja gesagt zum gemeinsamen Ausflug, möchten sie 5 Minuten später doch nicht mit.

Das hat jedoch weniger mit uns Eltern, als viel mehr mit ihrem inneren Chaos zu tun. Sehen wir’s also nicht als Ablehnung, sondern als normale Teenager-Reaktion.

Entscheidungsfähigkeit wächst

Jugendliche wirken zuweilen unfassbar unentschlossen. Auch wenn es anders scheint, aber in dieser Phase lernen sie extrem viel über sich selbst. Sie beschäftigen sich mehr denn je mit sich, mit dem, was sie mögen, was ihnen wichtig ist und wo sie sich zugehörig fühlen. Und das braucht alles ein bisschen Zeit.

Überlass deinem Teen also weiterhin die eine oder andere Entscheidung und verzweifle nicht daran, wenn es lange dauert.

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