Alle anderen fahren weg. Nur wir nicht. Dieser Gedanke kann sich schnell bei Eltern einschleichen, wenn die Sommerferien starten, man selbst aber gar nicht wegfährt. Während die Insta- und TikTok-Feeds voll sind mit Strandaufnahmen, Poolbildern und Sonnenuntergängen, bleibt man selbst zu Hause, weil das Geld knapp ist, die Urlaubstage nicht reichen oder gerade alles zu stressig ist, um einen Urlaub möglich zu machen.
Und dann ergreift das schlechte Gewissen Besitz von einem. Oder brauchen Kinder gar keine Fernreisen, damit die Ferien unvergesslich sind?
Ihr ahnt es, die brauchen sie nicht. Die schönsten Feriengeschichten schreibt nämlich nicht das Urlaubsziel, sondern die Emotionen, die Kinder aus dem Sommer mitnehmen.
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Kinder erinnern sich anders als Erwachsene
Denkt man als Erwachsener an schöne Urlaube, denkt man automatisch an Orte. Kinder hingegen denken an Momente. An das Lagerfeuer, an dem sie mit Stockbrot und Limo bis zur Dunkelheit sitzen durften, den Tag, an dem die ganze Familie im Schlafanzug nichts gemacht hat, außer Gesellschaftsspiele zu spielen oder den enormen Eisbecher mit 12 Kugeln Eis, nach dem alle trotz größter Hitze gefroren haben.
Besonders jüngere Kinder speichern Erlebnisse emotional ab. Sie erinnern sich daran, wie sich etwas angefühlt hat, nicht daran, wie teuer und extravagant es war.
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Zeit ist wertvoller als Programm
Die Ferien dienen vor allem der Entspannung. Schließlich war das zurückliegende Schuljahr krass durchgetacktet. Und genau deshalb dürfen Ferien auch mal langweilig sein und Eltern müssen absolut nicht für jeden Tag etwas organisieren.
Einfach mal ein Frühstück genießen, ohne auf die Uhr zu gucken, Kekse oder Plätzchen backen und direkt im Garten verspeisen, eine Radtour mit Picknick oder einfach nur ein ganzer Nachmittag auf dem Spielplatz, ohne das jemand schnell losmuss, reichen völlig aus.

Ungeplante Tage sind die schönsten Tage
Es ist eine Wohltat für das Nervensystem von Groß und Klein, einen ganzen Tag lang wirklich nichts zu tun. Keine Listen, Termine, Pläne, einfach sein und in den Tag hineinleben. Das machen wir alle viel zu selten.
Expertin für Familien- und Erziehungsthemen
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Teenager wollen vor allem sein
Teenager schlafen gerne länger, treffen Freunde, hängen stundenlang am Handy und wirken lustlos. Sind sie aber gar nicht.
Was sie nicht brauchen sind Action und feste Pläne. Was sie aber sehr wohl genießen, ist die Ruhe, die Ferien haben können und die Freiheiten, die sie ihnen geben. Ihnen ist der Abstand zum Alltag, den so nur Ferien möglich machen, hoch und heilig.
Deshalb haben Teenager immer noch Lust auf gemeinsame Unternehmungen mit der Familie, solange die nicht wirken wie ein Pflichtprogramm.
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Perfekte Ferien existieren nicht
Das größte ‚Problem‘, das vor allem wir Erwachsenen haben, wenn wir nicht, wie alle anderen, in den großen Familienurlaub fahren, ist, dass wir uns vergleichen. Wir sehen die Bilder der anderen und denken: „Wir bieten unseren Kindern zu wenig.“
Dabei zeigen die Bilder natürlich nur die schönen Momente. Die stressige Anreise, den Streit im Mietwagen, das motzige Kind oder den Monsunregen im vermeintlichen Urlaubsparadies postet meistens keiner. Und getritten wird im Urlaub auch, egal wo auf der Welt.
Da kann es sogar eine Wohltat sein, wenn man zu Hause geblieben ist und jeder die Möglichkeit hat, sich zurückzuziehen.
Langeweile muss sein
Im Alltag haben wir oft keine Zeit, nichts zu tun und uns zu langweilen. Gleiches gilt für Reisen. Schließlich ist man an einem neuen Ort, den will man erkunden. Also packt man sich die Tage voller Sehenswürdigkeiten und Ausflüge.
Bleibt man aber zu Hause, kann man sich Langeweile leisten. Und die ist wichtig, für Eltern und Kinder. Denn Langeweile macht Platz für Ideen. Und sie gibt uns die Zeit, wirklich durchzuatmen.
Geld entscheidet nicht über schöne Ferien
Natürlich eröffnet ein großes finanzielles Budget eine Vielzahl von Möglichkeiten. Aber, wie heißt es so schön, Geld alleine macht auch nicht glücklich. Und zwischen nicht verreisen und langweiligen Ferien besteht absolut kein Zusammenhang.
Kinder brauchen keine Luxusreisen. Sie brauchen vor allem Menschen, die Zeit für sie haben, die ihnen zuhören, mit ihnen herumalbern und sich auf spontane Abenteuer einlassen.
Schöne Ferien leben von den gemeinsamen Erinnerungen, die man schafft. Und das kann natürlich im All-inclusive-Hotel in Griechenland gelingen, aber eben auch beim Zelten im Garten, dem Lagerfeuer bis spät in die Nacht, den Pommes im Freibad oder dem Besuch von Oma und Opa.
Die schönsten Sommerferien sind die, in denen alle zusammen sein konnten und Zeit füreinander hatten. Egal, wo auf der Welt.
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