Als wir Kinder (in den 90ern) waren, war die Sache unkompliziert und einfach: Man kam nach Hause, Mittagessen, eine schnelle Runde Hausaufgaben, und noch schneller war man wieder verschwunden. Meistens Freunde treffen. Unsere Eltern wussten selten, wo genau wir waren, aber irgendwie galt das als Zeichen einer ’normalen‘ Kindheit.
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Unsere jugendlichen Kinder, mein großes inbegriffen, sitzen heute in ihren Zimmern. Meistens vor einem Bildschirm, vertieft in ein Spiel, manchmal mit der Nase in einem Buch und regelmäßig auf Discord, einer Plattform, auf der sie stundenlang mit Freunden quatschen, die wir Eltern nie zu Gesicht bekommen werden.
Und genau das verunsichert mich als Mama, weil es so ganz anders zu meiner Jugend ist. Ich wollte immer raus, unter Leute, etwas erleben und Spaß haben. Und deshalb frag ich mich regelmäßig: Ist das ’normal‘ für die heutige Zeit oder ziehen sich unsere Kinder zu viel zurück und isolieren sich?
Andere Welt, andere Jugend
Sozial sein hieß für uns, unter Menschen zu gehen. Kam man aus der Schule nach Hause, waren da noch die Eltern, vielleicht Geschwister. Von seinen Freund*innen hat man in den eigenen vier Wänden nichts mitbekommen.
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Unsere Kinder sind förmlich durchgehend sozial, denn sie haben ihr Handy und die ganze Welt in der Hosentasche. Selbst wenn sie alleine in ihren Zimmern sitzen, sind sie via Snapchat, WhatsApp, TikTok und anderen Plattformen mit anderen verbunden. Aber, sie haben so die Möglichkeit, die volle Kontrolle darüber zu behalten, wer gerade Zugang zu ihnen hat.
Was auf uns Eltern also wirkt wie Isolation, ist für den Teenager Erholung. Denn er sucht sich in seinem Zimmer aus, ob und mit wem er Kontakt haben möchte.
Discord ist nicht Einsamkeit
Wir sehen unsere Kinder alleine in ihrem Zimmer vor dem PC sitzen und denken, sie würden vereinsamen. Was wir nicht sehen, ist, dass sie online intensive Gespräche führen und mit anderen spielen und lachen.
Das ist keine echte Begegnung, in der man Körpersprache, Mimik und Gestik des Gegenübers erfährt, aber es ist auch keine Einsamkeit. Für unsere Teenager sind Onlinefreunde wertvoll. Es ist eine besondere Form der Zugehörigkeit, die es zum Beispiel auch introvertierten oder schüchternen Kindern ermöglicht, Teil einer Gruppe zu sein, ohne besonders ‚performen‘ zu müssen. Sie können Kontakte kontrollieren und Gespräche super leicht beenden.
Teenager sind unterschiedlich
Der klischeehafte, pubertierende Teenager ist laut, spontan, ständig unterwegs, hat möglichst viele Freund*innen und Hobbys. So ist aber nicht jeder Teenager.
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Manche lesen stundenlang, schreiben Geschichten, zeichnen oder bauen ihre eigenen virtuellen Welten in Minecraft. Andere treffen sich online und diskutieren über Politik, Musik oder Mode. Das macht ihre Jugend nicht schlechter, nur anders.
Wann Eltern genauer hinschauen sollten
Rückzug in der Pubertät ist erst einmal normal. Teenager machen viel mit sich und ihren Freunden aus und suchen Abstand zu den Eltern. Solange er oder sie noch verbunden wirkt, zu Freund*innen und/oder Eltern, Interessen hat und manchmal begeistert wirkt, besteht kein Grund zur Sorge.
Zieht sich das Kind aber massiv zurück, möchte niemanden treffen, wirkt niedergeschlagen, schläft schlecht und reagiert aggressiv, kann das ein Zeichen dafür sein, dass es ihm nicht gut geht und es Hilfe braucht.
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Der Bolzplatz hat Konkurrenz
Als berufstätige Mama hat man oft das Gefühl, es niemandem recht machen zu können. Und dann erscheint ein zurückgezogener Teenager einem wie ein weiteres ‚Problem‘. Aber vielleicht lohnt sich hier der Perspektivwechsel. Statt mich zu fragen, warum mein Sohn, ganz anders als ich oder auch mein Mann ist und lieber in seinem Zimmer als mit anderen Teens draußen abhängt, sollte ich vielleicht besser fragen: Wie sieht Jugend heute aus?
Unsozial ist die Generation Alpha nämlich nicht, sondern anders sozialisiert als wir. Das heißt, der Bolzplatz ist nicht komplett verschwunden, hat aber Konkurrenz bekommen, zum Beispiel von Discord.
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