Moderiert von Miriam Scharlibbe, der Chefredakteurin des Mannheimer Morgens, diskutierten Julia Becker, Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe, die Food-Unternehmerin und YouTuberin Saliha „Sally“ Özcan, geb. Asik, und die Para-Dressurreiterin Gianna Regenbrecht miteinander.
Was sie einte, war ihr Optimismus: Eine glatte 10 – das antworteten alle drei auf die Frage von Miriam Scharlibbe, wo sie sich selbst, was Hoffnung und Zuversicht betrifft, auf einer Skala von 1 bis 10 sehen.
„Ich habe schon mit 22 gelernt, was es heißt, echte Verantwortung zu tragen.“

Sallys Lebensweg wäre ohne Mut und Zuversicht undenkbar: Die Tochter türkischer Einwanderer bekam während ihres Studiums ihre erste Tochter. Die junge Mutter brach ihr Lehramtsstudium jedoch nicht ab, sondern nahm die Doppelrolle als Mutter und Studentin an: „Das war für mich eine der besten Entscheidungen.
Ich habe schon mit 22 gelernt, was es heißt, echte Verantwortung zu tragen – nicht für irgendetwas, sondern für ein Lebewesen. Gleichzeitig habe ich sehr schnell und effizient studiert. Das hat mich, glaube ich, ein Stück weit von meinen Kommilitonen unterschieden, die damals eher im Partymodus waren.“
Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Studiums baute Sally dann „Sallys Welt“ auf. Ihr Ziel war es dabei von Anfang an, „Sallys Welt“ zum größten deutschen Food-Kanal auf YouTube zu machen. Dort gibt sie Koch- und Backtipps und ist längst auch als Einzelhändlerin erfolgreich.
Einfach war ihr Weg nie: „Es gab viel Gegenwind und den gibt es bis heute. Irgendwann hieß es, als Mutter könne man kein Unternehmen führen, als Frau schon gar nicht allein. Solche Stolpersteine kennt man. Ich habe aber gelernt, irgendwann nicht mehr darauf zu hören.“
Ein großes Vorbild für sie waren ihre Eltern, die ihr vorgelebt hätten, dass man wirklich alles im Leben schaffen kann: „Sie hatten als junge Menschen den Mut, ihre Familien in der Türkei zu verlassen, nach Deutschland zu kommen und sich ein neues Leben aufzubauen.“
Ihr Vater sei allerdings anfangs dagegen gewesen, als sie sich entschied, nicht als Lehrerin zu arbeiten, sondern Unternehmerin zu werden. „Heute ist er einfach nur wahnsinnig stolz und sagt: ‚Mensch, jetzt bist du ja wieder Lehrerin – nur halt online.‘“
„Man muss sich manchmal einfach mal was trauen.“

Gianna Regenbrecht, die nach einem Reitunfall querschnittsgelähmt ist und nun als Parareiterin Erfolge feiert, berichtete, wie sie nach einer Hippotherapie zurück zum Reitsport fand: „Das war für mich tatsächlich eine Art Therapie und hat mir sehr gutgetan. Entscheidend war die Nähe zum Pferd, zu meiner Leidenschaft und Begeisterung.“
Der sportliche Aspekt sei erst später dazugekommen. „Vor meinem Unfall war ich keine Leistungssportlerin, sondern einfach eine von vielen pferdebegeisterten Mädchen im Reitverein, engagiert und motiviert. In den Leistungssport bin ich dann Schritt für Schritt hineingewachsen.“
Doch der Sport ist nur ein Teil ihres Lebens: Sie studiert Medizin und berichtete begeistert von einer Reise mit ihrem Freund nach Kambodscha. „Man muss sich manchmal einfach mal was trauen.“
„Ich kann heute sagen: Krise können wir.“

Julia Becker beschrieb, wie sie die FUNKE Mediengruppe aus der Krise führte. Viele der alten Gesellschafter hätten Gewinne aus dem Unternehmen entnommen und nicht investiert.
„Meine Geschwister und ich haben unsere Mitgesellschafter herausgekauft. Das Unternehmen gehört jetzt vollständig unserer Familie.“ Deshalb blicke sie jetzt sehr zuversichtlich auf das, was kommt. „Die vergangenen Jahre waren geprägt vom Krisenmodus – und ich kann heute sagen: Krise können wir.“
Sie sei überzeugt, dass auch die kommenden Herausforderungen gemeistert werden. „Die vergangenen Jahre sind für uns sehr gut gelaufen. Die FUNKE Mediengruppe wächst, wir haben über eine Milliarde Euro in deutsche Medienmarken investiert. Ich glaube, wir sind derzeit das einzige Medienunternehmen in Deutschland, das zukauft und Redaktionen aufbaut.“
Am Anfang habe ihr niemand zugetraut, weder in der Branche noch im Unternehmen selbst, die FUNKE Mediengruppe zu führen: „Das Manager-Magazin, weiß ich noch, hat mal getitelt: ‚Poster Girl‘.“
Julia Becker sieht heute deutlich mehr Chancen als Risiken, denn es gebe immer mehr Menschen, die verstehen, wie wichtig Journalismus ist: „Der Wunsch nach Information ist da. Der Auftrag des Journalismus ist, um es mit Rudolf Augstein zu sagen, zu sagen, was ist. Das ist für mich die Überschrift, die ich jedem meiner Tage geben würde.“
3 Frauen und die Bereitschaft, sich nicht unterkriegen zu lassen
Alle drei Frauen auf dem Podium, stellte Moderatorin Miriam Scharlibbe fest, hätten vor allem eines gemeinsam: einen ausgeprägten Kampfgeist und die Bereitschaft, sich nicht unterkriegen zu lassen.
Immer wieder sei deutlich geworden, dass sie sich bewusst für den schwierigeren, anspruchsvolleren Weg entschieden hätten – auch dann, wenn es einfachere Alternativen gegeben hätte. Gerade diese Entscheidungen hätten ihren Erfolg möglich gemacht.
Am Ende der Veranstaltung brachte Sally die zentrale Botschaft auf den Punkt: Man müsse bereit sein, ständig dazuzulernen. „Lernen hört niemals auf, sondern geht jeden Tag weiter.“ fmg


