Inhaltsverzeichnis
- Was genau steckt hinter dem Begriff Resilienz?
- Nicht jede*r ist gleichermaßen resilient
- Studien: So entstand das Resilienz-Konzept
- Resilienz: Basis in der Kindheit
- Resilienzfaktoren: Die sieben Säulen der Resilienz
- Bin ich resilient?
Angesichts des Geschehens in der Welt, ist es nicht leicht, optimistisch zu bleiben und hoffnungsvoll in die Zukunft zuschauen. Tagtäglich werden wir über Social Media und in den Nachrichten mit den schlimmsten Dingen konfrontiert, Krisen, Krieg und Krankheit. Und nicht nur da, auch im nahen Umfeld gibt es viel zu oft Schicksalsschläge und schlimme Nachrichten.
Dass Menschen mit all dem umgehen können, sich wieder aufrichten und positiv bleiben, liegt an einer kleinen Wunderwaffe: der Resilienz. Warum diese Waffe nicht bei jedem gleichermaßen stark vorhanden ist und was wir dafür tun können, um unsere Resilienz zu stärken, erfahrt ihr hier.
Was genau steckt hinter dem Begriff Resilienz?
Resilienz bezeichnet in der Psychologie die Fähigkeit eines Menschen, schmerzhafte Momente im Leben zu überwinden und sich trotz widriger Umstände wieder selbst aufzubauen. Resilienz bedeutet jedoch nicht, dass jemand weniger leidet als andere und einfach nur robuster gestrickt ist.
Vielmehr besteht Resilienz aus verschiedenen Schritten, also darin, ein Trauma, sei es eine Krise, Trauer, eine Trennung, Gewalterfahrung, Krankheit etc. zur Kenntnis zu nehmen, zu lernen damit „zu leben“, sich zu erholen, wieder Optimismus zu entwickeln und vielleicht sogar gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
Die Resilienz wird deshalb auch gerne als das Immunsystem der Seele bezeichnet. Wie bei einer schweren Krankheit haben unser Körper und Geist also eine Waffe gegen schwere Rückschläge. Sie wirkt nicht von heute auf morgen, aber sie besagt: Irgendwann wird alles wieder gut.
Nicht jede*r ist gleichermaßen resilient
Leider sind nicht alle Menschen gleichermaßen mit dieser psychischen Widerstandskraft gesegnet. Manch einer wird nach einer schweren Erkrankung sagen, dass er es rückblickend als Chance sehen würde, sein Leben neu zu begehen. Andere in der gleichen Lage werden einen für genau so einen Spruch zutiefst hassen.
Letztlich ist es eine Gabe, Krisen zu bewältigen und sie sogar zum Anlass zu nehmen, die eigene Entwicklung voranzutreiben. Viele Menschen verzweifeln eher, greifen vielleicht zu Suchmitteln, werden depressiv, entwickeln Angststörungen oder schotten sich innerlich ab.
Dieses Fehlen von Resilienz, als das Gegenteil von Resilienz, nennt man übrigens Vulnerabilität. Zu welchem der zwei Lager auch immer man gehört, zum Lager der Vulnerablen oder der Resilienten: Man sollte sich deshalb nicht besser oder schlechter fühlen. Zumal man an der Fähigkeit der Resilienz arbeiten kann.
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Studien: So entstand das Resilienz-Konzept
Das Konzept der Resilienz stammt aus den 1950er Jahren. Der amerikanische Psychologe Jack Block erkannte in einer Langzeitstudie mit Kleinkindern zum Thema Persönlichkeitsentwicklung die Fähigkeit der Resilienz. Es folgten weitere Schriften und Studien, unter anderem 1961 die „Kompetenz-Studie“ des Psychologen Norman Garmezy.
Mit der Fähigkeit, auch unter widrigen Umständen aufzuwachsen ohne Schaden zu nehmen, haben sich auch die US-amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy Werner und ihre Kollegin Ruth Smith befasst. Sie legten 1971 mit den Ergebnissen ihrer Langzeitstudie mit Kindern der Insel Kauai (Hawaii) einen enorm wichtigen Beitrag für die Resilienzforschung vor.
Die Forscherinnen hatten hier rund 600 Kinder, die sie 40 Jahre lang begleiteten. Dabei stellten sie verschiedene Faktoren fest, die den Kindern dabei halfen, sich trotz Armut, zerrüttetem Elternhaus und wenig Bildung ein erfolgreiches Leben aufzubauen. Zudem erkannte Emmy Werner, dass Resilienz nicht angeboren, sondern durchaus erlernbar ist.
Resilienz hilft uns jedoch nicht nur bei extremen Schicksalsschlägen und starken Traumata, sondern auch beispielsweise bei alltäglichen Herausforderungen und Problemen, wie den Folgen von Stress, einer Absage im Job oder wenn uns jemand ganz offensichtlich ablehnt. Auch hier hilft uns unsere Resilienz, Widerstandskraft zu entwickeln und wieder positiv zu sehen.
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Resilienz: Basis in der Kindheit
Auch wenn Resilienz laut Emmy Werner erlernbar ist, so prägt uns doch unsere Kindheit stark. Erfahrungen als Kind und die Bindung zu unseren Eltern oder Vertrauenspersonen haben einen starken Einfluss auf unsere Fähigkeiten und eben auch auf unsere Resilienz. Denn auch wie wir Probleme lösen oder in Krisenzeiten reagieren, schauen wir uns als Kind von unseren Eltern ab. Haben Kinder hier Sicherheit und Zuverlässigkeit erfahren, hilft das ungemein.
Es gibt letztlich bestimmte Charaktereigenschaften, die für eine starke Resilienz wichtig sind. Je mehr man davon vereint, umso größer die Resilienz. Und genau hier kann man auch für sich ansetzen, wenn man seine Resilienz stärken will, denn unsere Fähigkeiten und Eigenheiten sind nicht in Stein gemeißelt. Wir können durchaus an uns arbeiten.
Psychologen nennen diese Resilienzfaktoren auch die sieben Säulen der Resilienz
Resilienzfaktoren: Die sieben Säulen der Resilienz
1. Optimismus
Wer auch in schlimmen Zeiten zuversichtlich bleibt, dass alles wieder besser werden wird, bleibt stark. Das tun auch resiliente Menschen. Und das positive Denken macht sie widerstandsfähiger. Zudem sehen sie schwierige Zeiten auch als Herausforderung, um zu wachsen.
2. Akzeptanz
Menschen mit einer hohen Resilienz akzeptieren eine Krise auch und nehmen sie an, statt zu wüten und zu lamentieren, warum es ausgerechnet sie getroffen hat. Sie sehen diese Dinge als Teil des Lebens, ebenso wie die guten Dinge.
3. Lösungsorientierung
Wer resilient ist, erkennt den Weg aus der Krise und nutzt ihn für sich. Resiliente Menschen suchen aktiv nach Lösungen und gehen so oft gestärkt aus Krisen hervor.
4. Eigenverantwortung
Resiliente Menschen übernehmen selbst die Verantwortung für eine Situation, statt die Schuld bei anderen zu suchen, denn das hält nur auf. Ihre Strategie ist somit klüger, weil sie viel klarer sehen, wie es zu der Krise kam und somit auch, wie sie selbst wieder herauskommen.
5. Opferrolle verlassen
Oftmals verharren wir geschockt in unserem Elend, wenn uns Schlechtes widerfährt. Menschen mit einer hohen Resilienz jedoch verlassen diese Opferrolle irgendwann. Sie hören auf, sich selbst zu bedauern und sich ohnmächtig zu fühlen, sondern suchen nach den Gründen in sich selbst, die zu der Situation geführt haben.
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6. Enge Bindungen / Netzwerkorientiert
Manche Menschen vergraben sich in ihrem Frust und lassen sich kaum helfen. Menschen mit einer hohen Resilienz haben meist ein gutes Netzwerk, das sie auffängt. Und Freunde sind meist das beste Heilmittel in schlimmen Zeiten. Was noch den Unterschied macht: Resiliente Menschen lassen sich helfen. Sie lösen Schwierigkeiten auch mit ihrem Umfeld gemeinsam, nicht im Alleingang.
7. Zukunftsorientierung
Menschen mit einer stark ausgeprägten Resilienz sind auch vorausschauend. Sie sind sich darüber im Klaren, dass es auch schlechte Zeiten gibt und machen sich also schon im Vorfeld Gedanken, was in dem Fall zu tun ist. Und dieses Krisenmanagement hilft ihnen im Fall einer Krise ungemein, weil sie eben nicht komplett unvorbereitet hineinschlittern.
Manchmal wird auch Handlungskontrolle als eine Säule aufgeführt. Hier geht es darum, dass Menschen, die sehr resilient sind, selten impulsiv sind. Sie wirken eher kontrolliert und überlegt, in all ihrem Tun. Sie lamentieren nicht groß, wenn es kompliziert wird. Sie haben das größere Ziel im Blick, halten dann auch Durststrecken besser aus und beißen sich durch, weil sie wissen, dass Besserung in Sicht ist.

Mein persönlicher Tipp für Krisenmomente
„Versucht Abstand zu gewinnen. Raus aus dem gewohnten Umfeld mit all seinem lähmenden Alltagstrott. Falls es möglich ist, reist an einen Ort, an dem ihr den Kopf frei bekommt. Oft hilft der räumliche Abstand, wieder ein wenig klarer zu sehen.“
Stellv. Chefredakteurin & Expertin für Liebe & Psychologie
-> Mehr über Fiona erfahren
Bin ich resilient?
-> Ob du selbst sehr resilient bist oder weniger kannst du jetzt selbst herausfinden, wenn du die einzelnen Punkte für dich durchgehst. Treffen viele der oben genannten Eigenschaften auf dich zu, hast du eine hohe Resilienz. Sind es eher wenige Charaktereigenschaften, die auf dich zutreffen, hast du eine weniger stark ausgeprägte Resilienz.
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Noch etwas Wichtiges zum Schluss: Dieser Artikel ist nur zur Information gedacht. Zögert nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn ihr massive Probleme und Sorgen habt. Niemand muss alle schwierigen Phasen des Lebens alleine durchstehen. In diesem Sinne: Alles Gute und passt auf euch auf!
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen lediglich der Information und ersetzen keine Diagnose beim Arzt. Habt ihr Probleme mit eurer psychischen Gesundheit, Ängste oder dringende Fragen, solltet ihr euch einem Arzt anvertrauen.
