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Darum reizen Teenager Deadlines bis zur letzten Sekunde aus

Teenagermädchen sitzt auf der Couch und langweilt sich.
Teenager erledigen vieles in letzter Minute. Warum? Credit: Getty Images/ Counter

Dein Teenager erledigt Hausaufgaben, Referate und Termine immer auf den letzten Drücker? Die Gründe dafür und Tipps dagegen verraten wir.

Meine Eltern haben mich früher immer angehalten, Aufgaben so schnell wie möglich zu erledigen, besonders die, die ich nicht machen wollte. Und sie nicht bis zur letzten Sekunde aufzuschieben.

Selbstverständlich wusste ich es damals besser und habe prokrastiniert, als gäbe es kein Morgen mehr. Heute bin ich schlauer, na klar. Und sitze auf der anderen Seite. Denn heute sind es meine beiden Teenager, die Schulaufgaben und Termine schieben, bis es absolut nicht mehr geht.

Weil sie, wie sie sagen, unter Druck besser und produktiver arbeiten können. Was ich sogar zu einem kleinen Teil nachvollziehen kann. Aber es muss doch noch mehr dahinter stecken, oder?

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Die Sache mit der Zeit

Teenager haben definitiv eine andere Wahrnehmung von Zeit. Man denke nur mal daran, welche Zeitspannen „Mache ich gleich“ umfassen kann. Aber mal ernsthaft. Das Gehirn befindet sich in der Pubertät im Umbau. Die Bereiche, die für Planung und Impulskontrolle verantwortlich sind, sind davon betroffen. Teenager nehmen Zeit also wirklich anders wahr. Für sie hat vieles noch Zeit, auch wenn die Deadline in unseren Augen schon super knapp ist.

Helfen kann hier eine Visualisierung der verbleibenden Zeit, bzw. des Arbeitsaufwands, der noch erledigt werden muss. Einfach mal eine genaue To-do-Liste anlegen und grob, aber realistisch, einschätzen, was wie lange braucht.

Ist der Teen sich auch danach immer noch sicher, dass er oder sie sein Projekt, die Hausarbeit oder das Lernpensum in seinem Tempo schaffen kann, dann hilft nur: Machen lassen.

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Nervenkitzel bei nervigen Sachen

Jeden Tag ein bisschen was zu lernen für die kommende Prüfung, erspart einem am Ende den Lernstress. Na, kommt dir der oder ein ähnlicher Satz bekannt vor? Die Sache ist, dass er Teenager überhaupt nicht triggert. Sie suchen förmlich nach Stress, denn der bedeutet auch Adrenalin. Etwas auf den letzten Drücker fertig zu bekommen hat genau deshalb etwas Reizvolles für sie. Es erzeugt ein Hochgefühl.

Das ist schwierig zu toppen und trotzdem kann man versuchen, das Gefühl der Dringlichkeit auf gesunde Weise zu fördern. Kurze 10 Minuten-Timer können ein bisschen Druck erzeugen, selbst dann, wenn man statt am Tag vor der Prüfung schon ein oder zwei Wochen vorher startet. Mit ein bisschen Glück werden aus den 10 Minuten sogar 20 oder 30 und der Teen geht super vorbereitet in die Prüfung.

Die Macht ist mit den Geduldigen

Es fällt uns Eltern schwer, nicht einzugreifen, wenn wir sehen, dass unsere Teenager sehenden Auges ins Unglück laufen, weil wir (glauben,) es besser (zu) wissen. Aber genau das ist unsere Aufgabe: Geduldig bleiben, auch wenn es unvernünftig wirkt. Unterstützen, ohne alles zu retten. Und darauf vertrauen, dass der Teenager aus seinen Erfahrungen lernt.

Expertin für Familien- und Erziehungsthemen

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Die Qual der Freizeitwahl

Die Welt heute steckt mehr denn je voller Ablenkungen. Social Media, Netflix oder Online-Spiele machen es Teenagern schwer, sich auf nur eine Sache zu konzentrieren. Und wenn es dann noch Schulaufgaben oder Haushaltsdinge sind, rücken die schnell in den Hintergrund, weil die Verlockung, etwas anderes, aufregenderes zu tun, einfach zu groß für sie ist.

Tipp für Eltern: Hilf deinem Teenager dabei, die Ablenkungen gering zu halten. Trefft verbindliche Vereinbarungen zu Zock-Zeiten, Freundetreffen und Mediennutzung. Findet auch einen Platz, an dem das Handy während der Hausaufgaben- oder Lernzeit ‚geparkt‘ wird oder schränkt (gemeinsam) Social-Media-Aktivitäten in bestimmten Zeitfenstern ein. Das heißt nicht, deinem Teenager den Zugang zu Medien oder Freunden zu verbieten, aber es hilft ihm vielleicht ein bisschen, Prioritäten zu ordnen.

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Prokrastination als Zeichen von Überforderung

Jedem von uns wachsen Aufgaben und To-dos mal über den Kopf. Besonders gilt das wohl für Teenager, die noch dabei sind, zu lernen, sich zu organisieren. Und wenn ihnen alles zu viel wird, Schule, die eigene Identität, Freundschaften, dann blockieren sie. Vielleicht auch, weil sie Angst haben, die (eigenen) Erwartungen nicht erfüllen zu können.

Sprecht also offen mit eurem Kind und schaut, ob ihr ihm ein bisschen Stress abnehmen könnt. Macht Aufgaben nach Möglichkeit kleiner und überschaubarer. Dann wirken sie manchmal weniger einschüchternd.

Deadlines ausreizen als Lektion fürs Leben

So lange das Ausreizen und Aufschieben am Ende funktioniert und Teenager mit minimalem Aufwand maximale Ergebnisse erzielen, ist es unwahrscheinlich, dass sie ihre Arbeitseinstellung ändern. Wenn sie dann aber eine Frist verpassen, die Arbeit in die Hose geht oder sie zu spät dran sind, ist das kein Weltuntergang. Sondern eine Lektion fürs Leben.

Von der braucht manch einer genau eine und andere lernen auch nach zahlreichen Fehlschlägen nichts dazu. Für Eltern heißt das, wir können unsere Kinder erinnern, begleiten und ihnen helfen, Struktur zu finden, den Lerneffekt können wir ihnen aber nicht abnehmen.

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