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Diese Gespräche mit Teenagern sind unangenehm, aber wichtiger denn je

Mutter und Tochter sitzen im Wohnzimmer auf dem Fußboden und unterhalten sich. Die Tochter sieht genervt aus.
© AdobeStock/ cherryandbees

Vorab im Video: Warum die Hochphase der Pubertät so anstrengend ist

Und wie Eltern den Familienfrieden wahren

Pornos, Sexting, Alkohol oder Liebeskummer: Diese Gespräche sind Eltern oft unangenehm, für Teenager sind sie jedoch wichtiger denn je.

Es gibt Gespräche, auf die freut sich wirklich niemand. Nicht die Eltern. Nicht der Teenager. Und trotzdem gehören sie zum Elternsein dazu.

Früher oder später werdet ihr also über Pornos, Nacktbilder oder Körpergeruch sprechen müssen. Das wird vermutlich unangenehm, für beide Seiten. Aber es ist notwendig, damit der Teenager versteht.

Lies auch: Sexuelle Aufklärung: Warum Teenager vor allem über Konsens sprechen müssen

Peinlichkeit ist besser als Schweigen

Als Eltern hofft man, dass sich schwierige oder peinliche Themen insgeheim von selbst erledigen. Tun sie natürlich nicht. Das Problem ist, wenn wir Eltern es nicht ansprechen oder ansprechbar sind, holen sich unsere Kinder die Antworten woanders. Bei Freund*innen, TikTok oder eben aus Pornofilmen.

Und genau dort bekommen sie oft ein ziemlich schräges Bild davon, wie Beziehungen, Grenzen oder Sexualität angeblich funktionieren. Und auch wenn sie erwachsen tun und wirken, oft sind sie emotional noch nicht so weit, das einordnen zu können.

Viele Teenager kennen ihre Grenzen nicht, sie merken nicht, wenn jemand Druck ausübt. Sie wirken abgeklärt und geben sich gern aufgeklärt, in Wahrheit sind sie aber oft extrem verunsichert.

Genau deshalb sind diese Gespräche so wichtig.

Ja, sprecht über Pornografie!

Viele Kinder kommen heute sehr früh mit Pornografie in Kontakt. Oft lange bevor Eltern überhaupt ahnen, dass das ein Thema ist. Das Problem dabei ist nicht nur Sex, sondern die Bilder, die in diesen Filmen gezeichnet werden von Beziehungen, Körpern und Konsens.

In Pornofilmen sieht man keine echte Kommunikation, unrealistische Körper, kaum Grenzen, wenig Rücksicht und oft eine Vorstellung von Sexualität, die mit echtem, gegenseitigem Wohlfühlen nichts zu tun hat.

Sprecht auch über Nacktbilder

Und zwar am besten, bevor etwas passiert. Viele Eltern unterschätzen, wie normal Sexting unter Jugendlichen ist. Oft nur als ‚Spaß‘ gedacht, ist es manchmal unfreiwillig, wenig entspannt und verbunden mit Druck.

Teenager verschicken diese Bilder nicht, weil sie es unbedingt wollen, sondern weil sie Angst haben:

  • uncool zu wirken,
  • jemanden zu verlieren,
  • langweilig zu sein,
  • oder als verklemmt zu gelten.

Die Moralkeule schwingen und ein „Mach das bloß nicht!“ helfen an der Stelle nicht. Teenager müssen wissen, dass sie niemandem Bilder schulden. Dass es kein Kompliment ist, wenn jemand Druck ausübt, um Bilder zu erhalten.

Dass Bilder, die einmal verschickt wurden, nicht mehr verschwinden. Und am allerwichtigsten, dass jemand, der einen wirklich mag und respektiert, immer ein Nein akzeptiert.

Konsens ist kompliziert

Wir haben unseren Kindern eingetrichtert, dass sie Nein sagen dürfen, wenn sie sich unwohl fühlen. Und doch fällt es ihnen in der Pubertät, in der Freunde, Cliquen und das Dazugehören wichtiger als alles andere sind, schwer, überhaupt zu merken, was sie selbst wollen und wo ihre Grenzen sind.

Sie wollen mit Freund*innen mithalten, cool sein und sind natürlich neugierig auf Erfahrungen. In gewisser Weise stehen sie permanent unter sozialem Druck. Und das macht es ihnen schwer, nur bei sich zu bleiben.

Sprecht also nicht nur über Verhütung mit eurem Teenager, sondern auch über Konsens. Ein echtes Ja fühlt sich immer gut an. Aber ein Ja ist keine Verpflichtung. Denn niemand schuldet jemandem körperliche Nähe!

Körpergeruch und Hygiene

Teenager vergessen manchmal einfach zu duschen oder Deo zu benutzen oder, dass sie den einen Pulli schon seit drei Wochen tragen. Und das sollten Eltern ansprechen.

Wird der Teenager das geil finden? Absolut nicht. Als Mama oder Papa sollte man deshalb unbedingt auf die Wortwahl achten. Teenager fühlen sich per se schon beobachtet und bewertet. Also besser nicht einfach nur „Du riechst“ oder schlimmer, „Du stinkst“ sagen.

Behutsamer geht’s mit, „Ich glaube, dein Körper verändert sich gerade total und vielleicht brauchst du ein neues Deo oder häufiger frische Kleidung.“ Das geht bestimmt auch noch behutsamer, Hauptsache, ihr trefft den richtigen Ton für euren Teen.

Alkohol, Gruppendruck und die Angst, nicht dazuzugehören

Für viele Eltern ist Alkohol ein klares Tabu. Sie verbieten es ihrem Teenager entweder ganz oder mahnen zur Vorsicht beim Konsum. Alles völlig fein, aber nicht das, was Teenager vor missbräuchlichem Konsum von Alkohol und anderen Substanzen wirklich schützt.

Wichtiger ist, dass Teenager erkennen, was Gruppendruck ist und dass sie sich dem entziehen können. Viele riskante Situationen entstehen nicht aus Leichtsinn, sondern aus Angst, ausgeschlossen zu werden.

Die wichtigste Botschaft von Eltern sollte sein:

„Du kannst uns immer anrufen, wenn du dich unsicher, unwohl oder ängstlich fühlst, ohne Ärger zu bekommen. Auch wenn du Mist gebaut hast. Wir finden zusammen eine Lösung.“

Expertin für Familien- und Erziehungsthemen

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Liebeskummer ist mehr als eine Phase

Die erste feste Beziehung ist etwas besonders. Deshalb ist der Schmerz, wenn sie in die Brüche geht, auch besonders groß. Darüber kann man mit seinem Teenager auch schon sprechen, bevor es soweit kommt.

Denn Liebeskummer ist für Teenager existenziell. Nicht klein und auch nicht unbedeutend. Sätze wie, „Das geht vorbei“, „Du bist noch jung“ oder „Das wird nicht das letzte Mal sein“, sind dann vielleicht gut gemeint, helfen dem Teenager aber kein Stück.

Sprecht deshalb über Enttäuschung, über Zurückweisung, Eifersucht, Unsicherheit und darüber, wie man mit starken Gefühlen umgehen kann, ohne sich selbst zu verlieren.

Eltern müssen nicht cool sein

Manche Themen gehen einem schwer über die Lippen und das ist in Ordnung. Kein Teenager wird von seinen Eltern erwarten (oder es wollen), dass sie ganz freizügig über Sex oder gar ihre sexuellen Erfahrungen sprechen.

Aber gar nicht miteinander zu sprechen ist eben auch keine Lösung. Natürlich wird der Teenager peinlich berührt sein, aber er wird auch wissen, dass seine Eltern ansprechbar sind. Dass er fragen kann, wenn ihm etwas auf der Seele liegt. Allein das Wissen darum, kann den Unterschied machen.

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