Es ist nicht immer leicht, dem eigenen Kind etwas abzuschlagen. Besonders dann nicht, wenn der Wunsch eigentlich gar nicht unvernünftig klingt. Noch ein bisschen länger aufbleiben? Alle anderen dürfen das auch. Ein eigenes Handy? Hat inzwischen doch fast jede*r. Bei der Freundin übernachten? Warum eigentlich nicht?
Und manchmal wäre es für uns Eltern verlockend einfach, Ja zu sagen.
Trotzdem ist ein Nein nicht automatisch lieblos, sondern das Gegenteil. Es gibt nämlich Dinge, die Kinder nur lernen können, wenn sie eben nicht bekommen, was sie gerade möchten. Dass Wünsche nicht immer erfüllt werden. Dass andere Menschen andere Bedürfnisse haben. Dass Entscheidungen Konsequenzen haben. Und dass sich ein ‚Nein‘ aushalten lässt, ohne dass gleich die Welt untergeht.
Und natürlich geht es nicht darum, einem Kind möglichst häufig etwas zu verwehren. Aber Eltern müssen auch nicht jeden Wunsch erfüllen, nur, weil sie es könnten.
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Ein Wunsch muss ernstgenommen, aber nicht immer erfüllt werden
Egal wie alt ein Kind ist, wenn es etwas möchte, gibt es alles, um es zu bekommen. Kleine Kinder sind dabei einfach sehr direkt und fragen geradeaus danach. Ältere Kinder haben oft indirektere Strategien. Sie argumentieren, vergleichen sich mit Freundinnen und Freunden, verhandeln oder kommen mit dem Totschlag-Argument schlechthin: „Aber alle anderen dürfen/ haben das auch.“
Und beides ist völlig normal, schließlich sollen Kinder lernen, ihre Interessen zu vertreten und für Dinge einzustehen, die ihnen wichtig sind. Aber genauso wichtig ist die andere Erfahrung. Dass man etwas sehr gerne wollen kann und es trotzdem nicht bekommt.
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Ein ‚Nein‘ ist kein Desinteresse
Dabei ist das ‚Nein‘ kein Zeichen dafür, dass den Eltern der Wunsch egal ist. Als Eltern kann man viele Wünsche des Kindes verstehen und trotzdem nein sagen. Gerade bei Teenagern ist das allerdings manchmal schwierig. Denn sie können ihre Wünsche inzwischen sehr überzeugend begründen und wissen oft ziemlich genau, welche Argumente bei uns Eltern funktionieren können. Die eine Freundin darf das auch, der eine Freund darf auch aufs Konzert und so weiter.
Aber wir können als Eltern nicht jede Entscheidung an dem ausrichten, was andere Familien machen und erlauben.
Ein Nein kann sogar eine Form von Orientierung sein. Denn Kinder brauchen Eltern, die Entscheidungen treffen, auch wenn die gerade nicht sonderlich beliebt sind.
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Frust aushalten können muss man lernen
Niemand bekommt im Leben immer nur das, was er oder sie möchte. Man bekommt nicht jeden Studien- oder Ausbildungsplatz, nicht immer das Gehalt, das man sich wünscht, oder den Urlaub, den man machen möchte. Dann enttäuscht zu sein ist völlig normal. Aber es ist auch nicht mehr als eine Enttäuschung, mit der man schlichtweg umzugehen lernen muss.
Das heißt selbstverständlich nicht, dass Eltern ihr Kind absichtlich und immer wieder enttäuschen und frustrieren sollen. Aber sie müssen eben auch nicht jeden Frust und jede Enttäuschung verhindern.
Kinder dürfen wütend sein und traurig, sie dürfen sagen, dass sie unfair finden, was die Eltern entschieden haben. Was Kinder aber nicht brauchen, sind Eltern, die schnell sagen, „Na gut, dann machen wir es doch.“ Das würde die falsche Botschaft senden. Was Kinder dann lernen ist, dass man nur lange genug protestieren muss und schon wird aus einem Nein doch ein Ja.
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Entscheidungen haben Grenzen
Manche Wünsche sind nicht grundsätzlich falsch, aber dennoch begrenzt. Man kann ein Kind bspw. mal länger aufbleiben lassen, aber irgendwann muss es an dem Abend trotzdem ins Bett. Ein Teenager möchte vielleicht jedes Wochenende etwas unternehmen, aber die Familie kann nicht jedes Mal ihre Pläne nur nach ihm ausrichten.
Und auch das gehört zum Aufwachsen dazu, zu lernen, dass die eigenen Bedürfnisse grundsätzlich wichtig sind, aber auch nicht über denen aller anderen stehen.
Selbstständigkeit bedeutet nicht, immer seinen Willen zu bekommen
Je älter Kinder werden, desto mehr eigene Entscheidungen treffen sie. Müssen dann aber auch mit den Folgen dieser Entscheidungen leben. Ein Nein der Eltern kann sie manchmal also auch vor Dingen schützen, die sie später bereuen. Meistens sind Teenager nämlich sehr gut darin, zu wissen, was sie jetzt gerade wollen. Was nicht automatisch bedeutet, dass sie dieselbe Entscheidung mit etwas Abstand genauso treffen würden.
Deshalb übernehmen wir Eltern am besten die unbequeme Rolle und sagen Nein. Das Ziel sollte dabei keinesfalls sein, dass Kind vor jeder falschen Entscheidung zu bewahren oder keine Fehler machen zu lassen. Aber eben doch Verantwortung zu übernehmen in Situationen, die das Kind nicht überblicken kann.
Ein Nein kann die Perspektive verändern
Wünsche von Kindern verändern sich oft schnell. Manchmal ist ihr Verlangen nach etwas riesengroß und nur wenige Tage später ist der Wunsch schon fast vollständig vergessen.
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Deshalb kann es sehr sinnvoll sein, Entscheidungen, besonders große, auch einfach mal zu vertagen. Nicht als besondere Erziehungsmaßnahme oder Hinhaltetaktik, sondern um dem Kind Zeit zu geben, herauszufinden, ob der Wunsch nur aus einer momentanen Möglichkeit entstanden ist oder wirklich aus tiefster Überzeugung kommt. Ein bisschen Wartezeit kann Kindern helfen, eigene Wünsche zu sortieren.
Entscheidungen der Eltern dürfen doof sein
Die meisten Menschen wollen gemocht werden, besonders von Menschen, die einem sehr am Herzen liegen. Deshalb kann ein trauriges und enttäuschtes Kind einem auch ein richtig schlechtes Gewissen machen.
Es ist aber gar nicht unsere Aufgabe als Eltern, immer beliebt bei unseren Kindern zu sein. Das ist in der Pubertät auch schlichtweg unmöglich. Jeder Teenager findet seine Eltern zu irgendeinem Zeitpunkt mal peinlich, daneben oder viel zu streng.
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Und dann marschieren sie wütend in ihr Zimmer oder knallen auch mal mit der Tür. Und trotzdem sitzen sie am nächsten Morgen wieder mit am Frühstückstisch, als wäre nie etwas passiert. Weil sie in ihrem tiefsten Inneren wissen, dass wir Eltern sie lieben und sie nie absichtlich enttäuschen würden. (Manchmal dauerts vielleicht auch ein bisschen länger, bis ihr tiefstes Inneres ihnen das sagt).
Wir Eltern müssen nicht ständig dafür sorgen, dass unsere Kinder sich gut fühlen. Wir müssen ihnen auch zutrauen, dass sie unangenehme Gefühle aushalten können.
Deshalb sollte Nein sagen aber nicht zum Grundsatz der Erziehung werden. Kinder brauchen nicht viele Grenzen, sondern nachvollziehbare. Deshalb darf man auch mal Ja zu einem Wunsch sagen, der vielleicht unnötig oder nicht sonderlich pädagogisch ist. Kinder dürfen nämlich auch Dinge bekommen, die ihnen einfach nur Freude machen. Wie so oft in Sachen Erziehung, ist der beste Weg oft der in der Mitte.
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