Ich bin ein sehr harmoniebedürftiger Mensch. Schon immer gewesen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, Streit aus dem Weg zu gehen, dann wähle ich die zu 99 %. Denn ich mag es, gemocht zu werden. Was schwierig ist, wenn man zwei Teenager zu Hause hat. Die mögen mich sehr oft nämlich so gar nicht.
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Aber über die Jahre hab ich gelernt, dass gute Eltern zu sein, nicht bedeutet, bei seinen Kindern durchweg beliebt zu sein. Besonders dann nicht, wenn Kinder älter werden.
Teenager testen nämlich ihre Grenzen, am liebsten bei uns Eltern, was ganz normal ist und zum Erwachsenwerden dazugehört. Denn sie wollen unabhängiger werden, eigene Entscheidungen treffen und herausfinden, wie weit sie gehen können. Und das führt zwangsläufig zu Konflikten.
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Und dann ist manchmal das Beste, was Eltern tun können, das, was im ersten Moment für richtig schlechte Stimmung sorgt.
1. Nein sagen, obwohl alle anderen Eltern ja sagen
„Alle dürfen länger bleiben“, „Alle haben das Handy neben ihrem Bett liegen.“, „Alle fahren schon alleine in die Stadt“.
Die Sätze hab ich alle genau so schon von meinen Kindern gehört. Aber wer sind eigentlich ‚Alle‘? Und warum muss ich tun, was sie tun?
Natürlich lohnt es sich, Regeln immer wieder zu überprüfen. Manche Verbote oder Grenzen passen einfach irgendwann nicht mehr zum Alter des Kindes. Aber Entscheidungen nur deshalb zu treffen oder gar zu ändern, weil andere Familien es angeblich so machen, ist nicht zielführend.
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Kinder brauchen Eltern, die zu ihren Entscheidungen stehen und die auch begründen können. Und eben nicht Eltern, die aus Angst vor schlechter Stimmung erst hü und dann hopp sagen.
2. Grenzen setzen, trotz Protest und Geschrei
Grenzen und klare Regeln geben unseren Kindern Sicherheit, egal in welchem Alter. Denn sie können sich an verlässlichen Strukturen und Ritualen orientieren. Sogar dann, wenn sie die infrage stellen.
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Das Smartphone des Teens, das eben nicht nachts auf dem Bett, direkt neben dem Kissen geladen wird oder die feste Schlafenszeit des Grundschülers, die „total ungerecht“ ist wird nie von den Kindern bejubelt werden. Sie werden es immer doof finden. Aber trotzdem sind Regeln wie diese sinnvoll, denn sie schützen unsere Kinder.
Und manche Regeln müssen einfach nicht neu verhandelt werden, sondern sie haben einfach Bestand.
3. Die Sache mit dem Smartphone
Teenager können sich in Bezug auf ihr Handy selten selbst regulieren. Würden wir sie machen lassen, würde ihre Bildschirmzeit ins Unermessliche ansteigen. Das Handy sorgt also immer und täglich für Diskussionen.
Smartphones sind aber nicht grundsätzlich schlecht. Kinder müssen den Umgang damit jedoch lernen. Und dazu gehört auch, dass es Zeiten gibt, in denen das Handy tabu ist und Orte, an die es grundsätzlich nicht gehört.
Damit macht man sich natürlich unbeliebt bei den Kindern. Aber in dem Fall ist beliebt sein einfach nicht die Aufgabe von Eltern.
4. Konsequenzen zulassen
Vergessenes Sportzeug, Referate oder andere vergessene Schulmaterialien sind im Teenageralter keine Seltenheit. Und natürlich möchte man seinem Kind helfen, wenn man ihm die Dinge schnell an die Schule bringt oder am Abend vorher mit ihm gemeinsam das Referat vorbereitet. Aber es kann auch nicht schaden, wenn das Kind mal die unmittelbaren Konsequenzen seiner Vergesslichkeit spürt. (Vielleicht nicht die vergessen Trinkflasche bei 35 Grad Celsius um Schatten, aber ihr wisst, was ich meine).
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Kinder entwickeln Selbstständigkeit, wenn sie erleben, dass ihr Handeln Folgen hat. Wer ohne Turnschuhe am Sportunterricht teilnehmen muss, denkt beim nächsten Mal hoffentlich selbst dran. Wer eigentlich einen Vortrag zum Dreißigjährigen Krieg halten sollte, muss entweder meisterlich improvisieren können oder muss auf die Gunst des Lehrpersonals hoffen, das Referat in der nächste Stunde ’nachreichen‘ zu dürfen.
Solche Situationen sind unangenehm, aber eben auch lehrreich.
5. Schlechte Laune aushalten
Als Teenie-Eltern entwickelt man sowas wie einen sechsten Sinn für schlechte Laune. Und dann will man natürlich die Ursachen dafür ergründen, um seinem Kind helfen zu können. Deshalb fragt man, ob etwas passiert sei, man helfen könne oder vielleicht sogar selbst etwas falsch gemacht habe.
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Aber nicht jedes Problem braucht eine Lösung. Denn Frust, Enttäuschung und schlechte Tage gehören leider zum Leben dazu. Deshalb reicht es aus, wenn wir präsent sind und es aushalten können, dass das Kind schlechte Laune hat.
Und das ist manchmal deutlich schwieriger als direkt mit einem guten Rat um die Ecke zu kommen.
6. Unangenehme Gespräche
Gespräche über Sex, Drogen, Alkohol oder die psychische Gesundheit gehören keinesfalls zu den Lieblingsthemen eines Teenagers, erst recht nicht, wenn die eigenen Eltern mit ihm darüber reden wollen. Ist alles voll peinlich.
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Aber die Sache ist, dass unsere Kids sich überall und jederzeit zu den Themen informieren (können). Und ob die Dinge dann so richtig sind, die sie von Freunden hören oder im Netz finden, ist fraglich. Umso wichtiger ist es, dass wir Eltern zu all dem ansprechbar sind und schwierige Themen nicht meiden.
7. Einfach nur Eltern sein
Ich kenne keine Eltern, die sich nicht wünschen, ein enges, vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Kindern zu führen. Ich will das auch. Aber am Ende des Tages sind wir nun mal die Eltern und keine Freunde.
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Freunde haben eine andere Aufgabe. Sie hören zu, halten zusammen und verbringen einfach eine gute Zeit miteinander. Eltern hingegen tragen Verantwortung. Sie müssen einschreiten, wenn etwas gefährlich wird und Grenzen (durch)setzen, auch wenn es unbequem ist. Und manchmal müssen sie Entscheidungen treffen, die ihrem Kind überhaupt nicht gefallen.
Aber paradoxerweise stärkt das, was im Moment für Ärger sorgt, oft das Vertrauen auf lange Sicht. Kinder und Jugendlichen merken nämlich, ob Erwachsene verlässlich sind und ihnen Orientierung geben (selbst wenn sie sich in dem Moment lautstark darüber beschweren).
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