Es gibt Jobs, bei denen man sofort weiß, was dahintersteckt und dann gibt es Jobs, die einen erst einmal staunen lassen. Als ich zum ersten Mal von einer „Glücksbotin“ gehört habe, war meine Neugier sofort geweckt.
Wie fühlt es sich an, Menschen mit lebensverändernden Gewinnen zu überraschen? Welche Geschichten erlebt man dabei? Und was ich persönlich total spannend finde: Was lernt man eigentlich über Glück, wenn man ihm beinahe täglich begegnet?
Julia Krüger ist Glücksbotin der Postcode Lotterie1 und schenkt den Gewinnerinnen und Gewinnern regelmäßig emotionale Momente, die sie wohl nie vergessen werden. Im Interview spricht sie über bewegende Begegnungen, Tränen der Freude, unglaubliche Zufälle und darüber, warum Glück für sie heute eine ganz andere Bedeutung hat als noch vor einigen Jahren.
Glücksbotin Julia im Interview: Diese „Geschichte werde ich definitiv mein ganzes Leben nicht vergessen.“
Liebe Julia, du bist wahrscheinlich einer der wenigen Menschen in Deutschland, die regelmäßig mit echten Glücksmomenten konfrontiert werden. Wie bist du eigentlich Glücksbotin geworden?
Julia Krüger: Es war Liebe auf den ersten Blick. Vor etwa zwei Jahren flatterte die Anfrage der Postcode Lotterie bei mir rein. Als ich mir die Jobbeschreibung durchgelesen habe, dachte ich nur: „Wow, das ist kein Job, das bin einfach ich!“ Es hat sofort Klick gemacht.
Bei diesem Job bündelt sich all das, was mir Spaß macht und was meine Talente ausmacht.
Kannst du dich noch an eine deiner ersten Gewinnübergaben erinnern? Was ist dir davon besonders im Gedächtnis geblieben?
Julia Krüger: Oh ja, absolut! Da fällt mir mein erster Monatsgewinn ein – das ist sozusagen unser Hauptgewinn. Mittlerweile verlosen wir da zwei Millionen Euro, damals waren es noch 1,4 Millionen. Wir waren im wunderschönen Glottertal im Schwarzwald unterwegs, mitten in den Weinbergen.
Es war ein unfassbar heißer Tag, wir sind fast geschmolzen. Aber die Stimmung war einfach magisch. Wir haben dort eine ganze Nachbarschaft überrascht. Zu sehen, wie sich alle miteinander gefreut und es sich gegenseitig von Herzen gegönnt haben, war einmalig. Mir kamen vor Rührung total die Tränen.
Passiert dir das häufiger? Gibt es öfters Momente, die sich zu Tränen rühren in deinem Job
Julia Krüger: Solche Momente gibt es tatsächlich sehr, sehr oft, weil man den Menschen in diesem Moment einfach unfassbar nah ist. Aber eine Begegnung hat mich ganz besonders tief berührt: Das war ein älterer Herr, der – ich glaube, es waren 3.000 Euro – gewonnen hatte. Er konnte sein Glück nicht fassen und hat so bitterlich geweint.
Er ist mir regelrecht im Arm zusammengesackt, weil ihm allein diese Summe in seiner aktuellen Situation so unendlich viel bedeutet und geholfen hat. In solchen Momenten spüre ich wieder ganz extrem, wie viel wir mit unserer Arbeit bewegen können. Das geht mir dann auch tagelang nicht mehr aus dem Kopf.
Welche Geschichte einer Gewinnerin oder eines Gewinners wirst du wahrscheinlich nie vergessen?
Julia Krüger: Da gibt es eine Geschichte, die werde ich definitiv mein ganzes Leben nicht vergessen. Wir haben einem Ehepaar eine sehr hohe Summe überreicht, und bei ihnen kam einfach alles zusammen – das war wie ein Drehbuch vom Schicksal.
Erstens: Die beiden hatten ihr Los eigentlich schon gekündigt. Sie sind nur durch die allerletzte Ziehung überhaupt noch reingerutscht und haben genau dann gewonnen.
Zweitens hatte die Frau gerade eine extrem schwere Krebsbehandlung hinter sich. Sie war gesundheitlich total angeschlagen. Und als ob das nicht schon krass genug wäre, gab es noch einen dritten Aspekt, der uns als Team komplett umgehauen hat: Der Mann hatte vorher genau davon geträumt.
Er hat geträumt, dass sie gewinnen –und es ist einfach eins zu eins wahr geworden! In diesem Moment dachten wir alle nur: Hier ist das Geld an der richtigen Stelle gelandet. Nach so einer schweren Zeit war das für die beiden ein riesiger, wunderschöner Lichtblick, und wir haben uns einfach nur von Herzen mit ihnen mitgefreut.

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Erlebst du manchmal auch Situationen, die ganz anders verlaufen als erwartet?
Julia Krüger: Ehrlich gesagt gehe ich meistens komplett ohne Erwartungen an die Überraschungen ran, weil diese Momente absolut nicht planbar sind. Man weiß einfach nie, wie die Menschen im ersten Moment reagieren.
Aber es gibt Situationen, die mich immer wieder total flashen – und ich liebe es, dann dabei zu sein, wenn unsere prominenten Botschafter wie Kai Pflaume, Peter Maffay oder Katarina Witt an den Türen klingeln. Die Gewinnerinnen und Gewinner wissen zwar meistens, dass wir kommen, aber sie haben oft keinen blassen Schimmer, wen wir im Schlepptau haben.
Gerade als Mutter jongliert man oft viele Rollen gleichzeitig. Wie schaffst du es, zwischen Familie, Reisen und einem so emotionalen Job die Balance zu halten? Und was sagt dein Kind eigentlich über deinen Job als Glücksbotin?
Julia Krüger: Das stimmt, die Balance zu halten ist manchmal gar nicht so leicht. Für mich liegt das Geheimnis darin, klare Grenzen zu ziehen: Wenn ich unterwegs bin, gebe ich alles im Job – aber wenn ich zu Hause bin, bin ich zu 100 Prozent Mama.
Dann bin ich voll und ganz für mein Kind da. Ich bin zwar einige Tage im Monat in ganz Deutschland unterwegs, aber die restliche Zeit eben komplett zu Hause. Ich glaube, diese intensive, ungeteilte Zeit ist das, was zählt.
Mein Sohn ist mittlerweile sechs Jahre alt und versteht das alles schon richtig gut. Wenn ich nach Hause komme, erzähle ich ihm immer von den Momenten: wie ich die Leute überrascht habe, was witzig war oder was das Highlight des Tages war. Dadurch begreift er das ganz anders und kann es super akzeptieren.
Er wächst von Anfang an damit auf, dass ich als Moderatorin für meine Jobs reisen muss – für ihn ist das völlig normal: Wenn Mama arbeitet, ist sie eben kurz weg, aber danach wieder ganz für ihn da. Außerdem hat er einen ganz tollen Papa und die beiden lieben auch ihre Männerzeit. 😊
Was bedeutet Glück für dich persönlich und glaubst du, dass man Glück lernen oder bewusst fördern kann?
Julia Krüger: Das ist eine wunderschöne, fast schon philosophische Frage und gar nicht so leicht zu beantworten. Aber wenn mir das letzte Jahr eines gezeigt hat, dann: Glück bedeutet Gesundheit. Wir hatten eine Krebserkrankung im engsten Freundeskreis, und mein Sohn hatte einen schweren Verkehrsunfall, bei dem wir bangen mussten.
Nach solchen Schocks weißt du plötzlich: Glück ist, wenn es allen gut geht und das Leben – platt gesagt – einfach mal ‚langweilig‘ vor sich hinläuft.
Ob man Glück lernen kann? Ich glaube, man muss vor allem den Mut haben, ehrlich in sich hineinzuhorchen: Was tut mir gut? Und was brauche ich für ein glückliches Leben? Manchmal rütteln uns Schicksalsschläge unschön wach, aber sie helfen uns auch dabei, wieder zu uns selbst und zum Wesentlichen zurückzufinden.
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Die Postcode Lotterie ist eine Soziallotterie, bei der mindestens 30 Prozent der Einnahmen in soziale Projekte fließen. Teilnehmer*innen nehmen mit einer Kombination aus Postleitzahl und zwei Buchstaben teil, die für ihre unmittelbare Nachbarschaft festgelegt wird. Nachbarschaften gewinnen hier also gemeinsam und teilen sich den Gewinn. Die Gewinne variieren von Gewinn-Codes, über Geldbeträge, bis hin zu Sachpreisen. Es gibt Tages-, Monats- oder Sonntagsgewinne sowie den Straßenpreis. Beim Monatsgewinn werden insgesamt 2 Millionen Euro verlost. ↩︎
