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Frauen & Orgasmusprobleme: Das könnte dahinterstecken

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Nachgefragt: Orgasmus-Probleme: Wir haben Dr. Frauke Höllering, Allgemeinärztin mit Schwerpunkt Sexualtherapie, dazu befragt

Viele Frauen leiden unter Orgasmusproblemen. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Wir erklären euch, welche möglichen Gründe es gibt und was ihr tun könnt, um euch die Lust am Sex zurückzuholen.

Inhaltsverzeichnis

Ja, es gibt ihn leider. Und das nicht zu knapp. Die Rede ist vom Orgasm Gap, also der absolut ungleichen Verteilung von Spaß und Orgasmen beim Sex zwischen Mann und Frau. Andere Konstellationen, wie z.B. beim Sex zwischen zwei Frauen, haben da deutlich bessere Quoten. Beim Heterosex ist es leider immer noch so, dass viele Frauen leer ausgehen, weil sie Probleme haben zum Orgasmus zu kommen.

Wissenschaftler der amerikanischen Chapman University haben das mit Zahlen belegt. Sie haben 52.500 hetero- und homosexuellen Frauen und Männern zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Bei den Männern kamen 95 Prozent auf ihre Kosten, bei den heterosexuellen Frauen nur traurige 65 Prozent.

Auch hier zeigte sich, dass Frauen nicht nur weniger Orgasmen als Männer hatten, sondern auch, dass das vor allem bei heterosexuellen Paaren der Fall war. Und das zeigt, dass es eben das Zusammenspiel (bzw. Nicht-Zusammenspiel) zwischen den Geschlechtern ist, das nicht immer funktioniert.

Zeit also, über Orgasmusprobleme zu sprechen und darüber, was dagegen helfen kann. Und dabei soll es eben vor allem um den Sex zwischen Mann und Frau gehen, da hier scheinbar noch Aufklärungsbedarf herrscht.

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Erster Schritt: Ein offenes Gespräch

Im Idealfall ist es ja so, dass eine Frau, die unter Orgasmusproblemen leidet, offen mit ihrem Partner darüber spricht und beide gemeinsam die Ursache für das Problem finden und aus dem Weg räumen. Mit dem Happy End, dass dann beide gleichermaßen Spaß und Erregung beim Sex spüren und genießen können.

Aber leider ist eben nicht immer der Idealfall. Trotz Offenheit und gemeinsamen Bemühungen, gehen viele Frauen dennoch weiterhin leer aus. Und das kann echt auf Dauer frustrieren. Nicht selten spart man sich die ganze Nummer irgendwann komplett.

Dennoch sollte der erste Weg immer der sein, miteinander offen zu reden. Er sollte merken, wenn die Partnerin keine Lust mehr hat oder dem gemeinsamen Sex aus dem Weg geht. Also redet miteinander.

Gesundheitliche Abklärung der Orgasmusprobleme

Gehen wir also von diesem Fall aus, also davon, dass der Partner über ihre Orgasmusproblemem im Bilde ist und sich bemüht, auf sie einzugehen, ihr Lust zu bereiten. Wenn die Lust trotz aller beiderseitiger Bemühungen auf der Strecke bleibt, können die Orgasmusprobleme der Frau womöglich körperliche Gründe haben.

Die sollten in diesem Fall mit der Gynäkologin bzw. dem Gynäkologen abgeklärt werden. Und bitte traue euch, offen über eure sexuellen Probleme zu sprechen. Gynäkolog*innen sollten es gewohnt sein, sich mit Intimitäten und Sexualität auseinanderzusetzen und deshalb ist die Angst, Themen wie Libido und Libidoverlust anzusprechen, wirklich komplett unbegründet.

Stecken keine gesundheitlichen Ursachen hinter den Orgasmusproblemen, also konnten diese vom Arzt ausgeschlossen werden, kann es weitere Gründe geben. Wir haben hier in der Folge einige davon aufgelistet, in der Hoffnung, Frauen mit Orgasmusproblemen damit ein wenig weiterhelfen zu können.

Diese weiteren Ursachen für Orgasmusprobleme gibt es:

Manchmal sind es mehrere Auslöser, wie Stress, Sorgen und Ängste, die zusammenkommen und schon ist es Essig mit der Lust. Welche Probleme den Spaß im Bett verderben können? Hier sind die häufigsten Gründe für Orgasmusprobleme:

1. Probleme mit dem Selbstwertgefühl

Das klingt so simpel, ist es aber nicht für jeden gleichermaßen. Viele Menschen fühlen sich in ihrem Körper nicht wohl, können sich jemandem nicht körperlich öffnen und wollen keine Nähe, weil ihnen das Selbstwertgefühl einen Strich durch die Rechnung macht. Aber es gehört zu einem erfüllten Sexleben dazu, dass man sich fallen lassen kann.

Wer sich jedoch unwohl im eigenen Körper fühlt, kann sich auch nicht entspannt auf die körperliche Nähe zu jemand anderem einlassen. Statt sich zu entspannen und sich Erregung und Lust hingeben zu können, kreisen die Gedanken eher um Probleme und vermeintliche Unzulänglichkeiten.

Sex ist aber eben nur etwas rein Körperliches, sondern auch der Kopf muss mitspielen. Wenn wir uns selbst nicht mögen und vertrauen, dann kann auch das ein Grund für Orgasmusprobleme sein und ein Grund dafür, dass wir intime Körperlichkeit nicht genießen können.

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2. Zu wenig Wissen über den weiblichen Körper

Auch das klingt so simpel, aber das ist es nicht. Vielleicht kennst du das auch: Du kannst über alles mit deinem Partner reden, nur wenn es um Sex geht, hast du plötzlich Wortfindungsstörungen.

Viele Menschen mögen trotz aller Vertrautheit nicht über ihre sexuellen Wünsche sprechen oder erklären, was sie erregt und was nicht. Von ihren Orgasmusproblemen ganz zu schweigen. Manchmal hat sich Sex auch so eingegroovt, dass man sich gar nicht traut zu sagen, dass man Null erregt ist. Dass einfach gar nichts passiert.

Manchmal mangelt es aber auch am eigenen Wissen, wie man seine Lust steigern kann. Klar kommen mehr Frauen beim Masturbieren zum Orgasmus, aber eben auch nicht alle. Hier hilft nur austesten. Manchmal entsteht Erregung auf eine Art und Weise, die wir nie erwartet hätten.

Beim Testen helfen hier nicht nur Selbstbefriedigung, sondern auch Sextoys, wie zum Beispiel G-Punkt Vibratoren oder Klitorissauger. Das wird nicht jedes Problem lösen, aber vielleicht entdeckt ihr ja auf diese Art, wie ihr erregbar seid und könnt dieses Wissen dann beim Sex für euch nutzen.

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3. Zu hoher Erwartungsdruck

Hat es bereits öfters nicht geklappt mit dem großen O, machen sich manche Menschen selbst Druck, dass es beim nächsten Mal klappen muss. Sie sehen vor allem, dass sie selbst nicht funktionieren und dass der Partner enttäuscht sein könnte – so wie man selbst vielleicht auch. Und dieser Druck wird mit jedem fehlenden Orgasmus größer und größer.

Gleichwohl sollte man sich klarmachen, dass Sex nicht zwangsläufig einen Orgasmus braucht, um gut zu sein. Sind beide bei der Sache, fühlen sich wohl und spüren die Erregung, dann kann auch das erfüllend sein.

Manchmal hilft es, hier einfach den Druck rauszunehmen und die Erwartungshaltung zu ändern. Einfach genießen, sich gegenseitig verführen, in sich selbst hineinhorchen, was sich gut anfühlt und was nicht. Hier sollte der Partner allerdings mitziehen und auch das Tempo rausnehmen. Im Idealfall kümmert er sich vor allem erstmal um die Lust seiner Partnerin und stellt sich (mit seinem eher wahrscheinlichen Orgasmus) hinten an.

Vielleicht wechselt ihr einfach mal den Ort, raus aus dem Bett. Vielleicht sitzt ihr einfach entspannt auf der Couch, küsst euch und fasst euch gegenseitig an. So entsteht gar nicht der Druck, dass es zum Sex kommen muss, sondern man schaut einfach, wohin die Reise geht. Auch solche kleinen Änderungen können helfen.

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4. Wenn der Kopf nicht abschalten kann

„Du musst noch Waschmittel kaufen. Waschmittel. Unbedingt dran denken. Nicht vergessen.“ Tja, und vergessen kannst du das mit dem Waschmittel definitiv nicht. Zumindest jetzt gerade, wo du mit deinem Liebsten im Bett bist. Kein Wunder, wenn es da wieder nichts mit großer Leidenschaft wird. Stress und To-do-Listen machen jeder Erregung leider einen Strich durch die Rechnung.

Gleichwohl ist es nicht einfach, den Kopf einfach abzuschalten. Es gibt keinen Knopf um vom Alltagsmodus in den Modus „Sex“ umzuschalten. Alltag, Job, Familie, der ganz normale alltägliche Wahnsinn: Das ist es kein Wunder, dass jemand, der absolut nicht abschalten kann, sich auch nicht auf seine Lust einlassen kann – ein weiterer Grund für Orgasmusprobleme.

Auch hier kann es helfen, wenn man wirklich mal bewusst versucht, den Alltag hinter sich zu lassen. Was euch immer euch den Alltagsstress vergessen lässt, sei es Meditation, Zeit für euch, ein entspannendes Bad, eine erotische Lektüre, ein Film: Egal was dafür sorgt, dass man das Waschmittel vergisst und bereit ist, in Stimmung zu kommen, hilft.

Aber sag dir auch klar: Wir sind keine Roboter, die funktionieren müssen. Wenn du nicht bereit bist für Sex, dann sag das klar und offen.

5. Angst vor Nähe und Kontrollverlust

Manchmal ist es die undefinierbare Angst vor Nähe, vor Kontrollverlust, vor nackter Intimität, die Orgasmusprobleme zur Folge hat. Manche Menschen können sich einfach nicht fallen lassen, wollen immer noch ein Stück weit Kontrolle über sich behalten. Leider passen Selbstbeherrschung und Orgasmus nicht gut zusammen.

Hier sollte man selbst für sich (oder mit professioneller Hilfe durch einen Therapeut*innen z.B.) herausfinden, warum das so ist und welche Art von Nähe und Kontrolle es erleichtern würden, loszulassen. Wo ist die Grenze, bis wohin ist es angenehm? Hier sollten beide Partner*innen aufeinander eingehen und Kompromisse zulassen. Vor allem aber sollte der andere die Probleme ernst nehmen und sich auf einen gemeinsamen Lösungsweg einlassen.

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6. Schmerzen beim Sex

Der letzte Grund für eine runde Null auf dem Orgasmuskonto: Schmerzen beim Sex. Denn wem eine Penetration per se weh tut, der kann nicht wirklich in Fahrt kommen. Selbst wenn man im Eifer des Gefechts die Schmerzen vergisst, so erschweren sie von vorneherein das Ansteigen der Erregungskurve doch empfindlich.

Von Scheidentrockenheit beispielsweise im Zuge der Wechseljahre bis Vaginismus, also einem Scheidenkrampf, sind hier viele Ursachen denkbar. Die sollte man dann allerdings mit seiner Frauenärztin bzw. seinem Frauenarzt abklären.

Aber man sollte auch klar sagen: Ein Orgasmus ist natürlich immer auch ohne Penetration möglich. Deshalb nutzt schöne Sexpraktiken wie Oralsex, Fingern oder Sextoys.

Manchmal ist es auch einfach der Winkel oder die Bewegungen des Partners, die ungeschickt sind. Hier kann ein Stellungswechsel helfen. Oder es wird eine Sexstellung gewählt, bei der sie Tiefe und Winkel der Penetration besser kontrollieren und bestimmen kann.

Mehr dazu: Schmerzen beim Sex: Ursachen und Tipps, die euch helfen

Etwas Wichtiges zum Schluss: Unsere Tipps hier dienen lediglich der Aufklärung zu Themen rund um Sexualität und Liebe. Bei wirklichen Problemen wendet euch an euren Arzt oder eure Ärztin des Vertrauens. Bei all unseren Sextipps sind wir zudem immer darum bemüht, die Diversität der sexuellen Orientierungen zu berücksichtigen und sichtbar zu machen. Unsere Tipps sollen für Menschen aller sexuellen Identitäten und Orientierungen passen.

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