„Mamaaa!“ Kaum ist etwas, ertönt schon wieder dieser Ruf. Egal ob ein Pflaster gebraucht wird, beim Anziehen geholfen werden soll oder einfach nur jemand zum Kuscheln gesucht wird: In vielen Familien scheint es nur eine Antwort zu geben: Mama. Und ja, das kann unglaublich kräftezehrend sein. Denn so schön es ist, gebraucht zu werden, irgendwann sind die eigenen Nerven einfach am Limit.
Gleichzeitig tut es auch den Papas weh. Wenn sie immer wieder erleben, dass ihre Hilfe abgelehnt wird und stattdessen nur Mama gefragt ist, fühlen sie sich oft ausgeschlossen, zurückgewiesen oder sogar unwichtig. Dabei möchten sie genauso für ihre Kinder da sein, trösten, helfen und Nähe schenken.
Doch warum ist das in so vielen Familien eigentlich so? Wieso scheint Mama oft die erste Anlaufstelle zu sein? Und vor allem: Wie können Eltern damit umgehen, ohne dass Frust, Überforderung oder Enttäuschung die Beziehung zueinander belasten? Die gute Nachricht: Dieses Muster muss nicht für immer so bleiben. Denn es gibt Wege, wie Kinder ganz selbstverständlich lernen, sich auch auf Papa einzulassen.
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„Mama, ich hab dich viel lieber als Papa.“ –Autsch!
Ganz schön schlucken musste ich, als mir meine damals vierjährige Tochter im Flüsterton eröffnete, „Mama, ich hab dich viel lieber als Papa.“ Da hatte sie mich eiskalt erwischt. Ich wollte sofort meinen Mann verteidigen und ihr sagen, dass sie sowas nicht sagen dürfe, weil der Papa sie ja auch lieb hat. Doch was sie damals fühlte, war echt für sie.
Ihre Aussage hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, warum sie das gesagt hat.
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Bei uns zu Hause rufen beide Kinder in der Regel erst mal nach Mama. Und das, obwohl mein Mann und ich (mittlerweile) sehr oft beide zu Hause sind. Und auch, wenn mein Mann und ich im selben Raum mit den Kindern sind.
Vermutlich hat das damit zu tun, dass ich, die Mama, früher (vor Corona) sehr viel öfter da war. Gemeinsam spielen, bauen, Geschichten lesen und puzzeln, das hab sehr oft ich übernommen. Erst zum späten Nachmittag, frühen Abend war Papa wieder da.
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Die Macht der Gewohnheit
Wann immer also in ihrer freien Spielzeit eine helfende erwachsene Hand gebraucht wurde, war das sehr oft meine verlässliche Hand. Und aus purer Gewohnheit wurde und wird die auch dann gerufen, wenn Papa da ist. Dahinter steckt keine Boshaftigkeit, sondern simple Gewohnheit. Und daraus resultierte vermutlich auch die Aussage meiner Tochter.
Ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuneigung habe in der Vergangenheit ich erfüllt. Ich war und bin es heute noch, ihre gewohnte Anlaufstelle bei Sorgen und Tränen, aber auch bei schönen Momenten und witzigen Geschichten. Denn oft waren Tränen getrocknet, Spiele beendet und Geschichten schon erzählt, bevor Papa zu Hause war.
Hinzu kommt, dass meine Tochter sich als Mädchen versteht. Für sie steht fest, dass sie und ich mehr gemeinsam haben als Papa und sie. Ganz nach dem Motto ‚Wir Frauen müssen zusammen halten‘ bin deshalb auch ich oft ihre erste Wahl, wenn sie Hilfe braucht oder etwas Wichtiges erzählen will.
„Kind ruft nur nach Mama“ – was tun?
1. Redet miteinander – aber ohne Schuldzuweisungen
Wenn Papa das Gefühl hat, ausgeschlossen zu sein oder auch wenn Mama das Gefühl hat, alles alleine machen zu müssen, kann es nur helfen, offen, ehrlich und ohne Vorwürfe darüber zu reden. Ohne „Du machst nie…“ und „Immer muss ich…“. Sondern: „Wie können wir das gemeinsam ändern?“
Vielleicht steckt eine Phase dahinter. Vielleicht alte Rollenbilder. Vielleicht auch einfach nur Bequemlichkeit. Findet es gemeinsam heraus, als Team.
Wichtig ist, dass man nicht einfach dem anderen die Schuld für die aktuelle Situation gibt. Weder ist Papa selbst Schuld daran, weil er öfter nicht zu Hause ist oder war, noch ist Mama Schuld daran, weil sie alles an sich reißt. Die Ursachen liegen vermutlich in der Mitte.
2. Aufmerksamkeit ist das neue Superkraft-Serum
Sowohl den Eltern, als auch dem Kind hilft es, wenn man Rituale entwickelt. Wenn Papa den ganzen Tag unterwegs war und am Abend nach Hause kommt, sollte er sich erstmal Zeit für das oder die Kinder nehmen. Das heißt: Handy aus, hinsetzen, zuhören. Kinder brauchen Aufmerksamkeit und das Gefühl, dass ihnen nicht weniger als 100 Prozent davon zuteilwird.
3. Auch mal loslassen – ja, Mama, du!
Wenn der oder die Kleine nach dir ruft, obwohl Papa bereitsteht, musst du dich vielleicht mal nicht umdrehen. Lass Papa ran. Auch wenn du’s anders machen würdest. Auch wenn es länger dauert. Auch wenn du denkst, du machst es „besser“. Kinder brauchen beide Eltern. Und Papas machen’s nicht schlechter, nur weil sie es anders machen.
4. Spiel mit dem Ponyhof? Warum nicht, Papa!
Wenn dein Kind auf Pferde, Glitzer oder Einhörner steht, dann sollte auch Papa kein Problem damit haben, in dieser Fantasiewelt mitzuspielen. Gerade als Papa. Wer sich auf die Interessen seines Kindes einlässt, wird schneller zur Vertrauensperson, als er „Sternenstaub-Galopp“ sagen kann.
Nur Mama zählt? Nicht für immer!
Die gemeinsame Zeit, die man mit den Kindern hat, seien es auch nur eine Stunde am Morgen und eine Stunde am Abend, sollte man nutzen. Uneingeschränkt. Und man sollte seinem Partner dabei Vertrauen schenken. Vertrauen, dass er es, vielleicht anders, aber genauso gut macht wie man selbst. Wenn also die Tochter wieder nach Mama ruft, wenn es beispielsweise Zeit ist fürs Bett, dann muss sich Mama zurückziehen, wenn Papa das gerne machen möchte.
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Denn wie wir bereits gelernt haben, sind Kinder Gewohnheitstiere. Wenn Papa die Tochter für eine Zeit lang immer ins Bett bringt, inklusive Geschichte und kurzer Streicheleinheit, dann wird sie das auch zu schätzen wissen. Vielleicht nicht gleich, aber nach ein paar Tagen.
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